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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Ob die Disziplin auf die Naturvölker zu beschränken sei oder nicht, sind dieMeinungen noch geteilt. Für Beschränkung treten bzw. traten ein: Ad.Bastian, Fr. Ratzel , M a x S c h ni i d t u. a., für Ausdehnung auf dieKulturvölker P. W. S c h m i d t, M. W i n t e r n i t z u. a.

Der Hauptgegensatz in der heutigen Ethnologie oder Ethnographie wird ge-bildet durch den Methodengegensatz zwischen den Evolutionisten, die denMenschheitsgedanken (Ad. Bastian) vertreten und den Kulturkreistheore-tikern. Da der Streit geschichtstheoretischen Inhalts ist, geht er uns hier imBereiche der grundlegenden Anthropologie nichts an.

Aus folgenden Büchern und Aufsätzen kann man sich über die heutige Lageder Ethnologie unterrichten: P. W. Schmidt, Die moderne Ethnologie iniAnthropus, Band I, 1906, M. Winternitz , Völkerkunde, Volkskunde undPhilologie imGlobus, Band 78. Graebner , Methode der Ethnologie, 1911.Max Schmidt, Völkerkunde, 1924. Paul Honigsheim , Die geistes-geschichtliche Stellung der Anthropologie, Ethnologie, Urgeschichte und ihrerHauptrichtungen; in der Festschrift für P. W. Schmidt, 1928. W. Mielke,Die historische Richtung in der Völkerkunde; derselbe, der Funktionalismusin der Völkerkunde; beide Aufsätze in Schmollers Jahrbuch, Jahrg. 61, 1937.

Die Anthropogeographie ist dem Namen nach von Fr. Ratzel be-gründet und feiert in dessen gleichnamigen Buche (1. Aufl., 1882) noch heuteihr Standwerk. In gleichen Bahnen wandelt S. Passarge , GeographischeVölkerkunde, 14, 19331936. Vgl. auch Ferdinand von Richthofens Vorlesungen über Allgemeine Siedlungs- und Verkehrsgeographie. Bearbeitetund herausgegeben von Otto Schlüter , 1908. Umfassend. Vgl. auch die inAnm. 189 genannte Literatur.

101 ) Die deutsche Literatur über Anthropologie und Rassen-kunde ist jetzt, soweit approbiert, zusammengestellt im 1. Beiheft der NS.-Bibliographie, 1938 (235 Nummern). Eine Reihe anderer Schriften mache ich anandern Stellen, namentlich im 22. Kapitel namhaft, wo der Leser auch eine An-leitung zum Studium dieser Literatur findet.

102 ) Der Ausdruck Populationistik ist von Chr. Bernoulli,ordent-lichem Professor der industriellen Wissenschaften an der Universität Basel geprägt worden. Er nennt sein 1841 erschienenes vortreffliches Lehrbuch derBevölkerungswissenschaft:Handbuch der Populationistik oder der Völker-und Menschenkunde nach statistischen Ergebnissen. Über Bevölkerungsstatistikunterrichten heute folgende Werke: Georg v. Mayr, Statistik und Gesell-schaftslehre, 3 Bände, 2. Aufl., 19141926; der zweite Band enthält die Bevölke-rungsstatistik; besonders reiche Literaturangaben 1 Franz Zizek , Grundrißder Statistik; 2. Aufl., 1923; Joh. Müller, Grundriß der deutschen Statistik;3 Bde., 1925 3; die Artikel Statistik im Handwörterbuch der Staatswissen-schaften; 4. Aufl., Band 7; in der Encyclopedia of Social Sciences. Vol. XIV,1934. Alle diese Werke enthalten auch einen Abschnitt über die Geschichteder Statistik. Diese behandeln ausführlicher R. v. Moh 1, Geschichte undLiteratur der Staatswissenschaften, Band III, 1858, Nr. XIX. John, Geschichteder Statistik; Band I, 1884.

Neuerdings befassen sich auch die Biologen mit Bevölkerungsstatistik. So ent-hält K. Sailer, Einführung in die menschliche Erblichkeitslehre und Eugenik*