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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

nommen, wie Benedek sie gewollt hatte. Auf dem rechten Flügel der west-lichen Front hatten das 3. und 10. Korps starke Teile in das Bistritztalvorgeschoben, die am Morgen, als sie auf die Höhe zurückgezogen werdensollten, schon von den Preußen festgehalten wurden. Die Sachsen wieder,die auf dem linken Flügel dieser Front an der Bistritz hätten stehen sollen,fanden dort das Gelände für eine Verteidigung so ungünstig, daß sie aufdie Höhen zurückgingen.

Die nach Norden gewendete Front kam überhaupt nicht zustande, weildas 4. Korps, um seiner bei Maslowed verbliebenen, früh in den Kampfverwickelten Brigade Brandenstein näher zu sein, vorging, und weil das2., das rechts neben ihm hatte stehen sollen, glaubte, die Vorwärtsbewegungmitmachen zu müssen. Dabei wirkte auch die Rücksicht ein, daß die vonBenedek bestimmte Front LochenitzChlum durch die vorliegenden Höhenvon Maslowed und Horenowes weit überragt worden wäre.

Die Armee bot also der des preußischen Kronprinzen die fast offenerechte Flanke dar; denn die ganze Front wendete sich tatsächlich gegenWesten und Nordwesten. Sie bildete eine 8500 Meter lange, von Hore-nowes bis Nieder-Prim reichende, ziemlich gerade Linie. In dieser standschließlich auf dem äußersten rechten Flügel südlich Horenowes das 2. Korps.Es hatte nur die Brigade Henriquez bei Sendrasitz zum Schutz der rechtenFlanke zurückgelassen. Dorf und Höhe von Maslowed hielt das 4. Korps.Bei Cistowes und Sadowa, aus der Hauptlinie gegen die Bistritz vorge-schoben, finden wir das 3. Korps, das 10. links daneben teils bei Chlum,teils von Unterdohalitz bis Mokrowous am Flusse selbst. Dann folgtenweiter links, aber wieder in der Hauptlinie zurückgezogen, die Sachsen beiProblus und Nieder-Prim, links hinter ihnen die 1. leichte Kavalleriedivi-sion bei Oberprim. Zum weiteren Schutze für den linken Flügel, auf demBenedek die dringendste Gefahr vermutete, war das 8. Korps hinter denSachsen nach dem Walde von Briza herangerückt. Die Brigade Wöberdieses Korps befand sich noch im Anmarsch von Maslowed her, die Bri-gade Rothkirch an der schlesischen Grenze.

In dem ebenen Gelände zwischen Wsestar und Stresetitz standen rechtsdas 6., links das 1. Korps, rechts daneben bei Rosberitz die 1. Reserve-kavalleriedivision und die Armeegeschützreserve, links gegen Stresetitz vor-geschoben die 3., rückwärts bei Briza die 2. Neservekavalleriedivisiou. Dieseganze Truppenmasse sollte als Rückhalt in Benedeks Hand bleiben, umden Ausschlag zu geben; doch lehrt ein Blick auf die Karte, daß sie eigent-lich einen Teil der Schlachtfront bildete und den leeren Raum füllte, dendas Vorgehen des 3. und 10. Korps in dieser freigelassen hatte.