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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Rollenverteilung in der deutschen Führung

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Fortschritten, vorzubehalten. In dieser Absicht eilte er nach dem hochüber dem Moseltal gelegenen Vorsprung Horimont bei Bronvaux, der einenvortrefflichen Ausblick gewährte und eine Beobachtungsstation besaß (vergl.Skizze 53). Die Rollenverteilung war durchaus zweckmäßig. Selten ist wohleine Schlacht so sicher und regelrecht geleitet worden wie die nun beginnende.

Zunächst wurde von dem oberhalb Metz stehenden 7. Korps die 28. Jn-fanteriebrigade nach Courcelles an der Nied , also näher an die bedrohte Frontherangeschoben, dann, wie am 26., alles auf der Nordseite an Truppenverfügbare vom linken nach dem rechten Ufer hinüber gesendet. Das

3. Korps und die 1. Kavalleriedivision, die noch gegen die Maas gewendetbei Briey standen, erhielten Befehl, sich der Einschließungsarmee zu nähern,das 2. Korps, sich zu gleichem Zweck bereitzuhalten.

Der französische Aufmarsch hatte sich, trotzdem 3 Schiffbrücken ihn er-leichterten, nicht nach Wunsch vollzogen. Große Verspätungen, Stauungender marschierenden Truppen fanden statt; die letzten trafen erst abends beivoller Dunkelheit auf ihren Sammelplätzen ein. So war es Nachmittag4 Uhr geworden, bevor eine heftige Kanonade gegen das 1. Armeekorps denKampf einleitete. Dieses Korps entwickelte sich vorwärts der Linie vonFailly und Servigny. Wenn die Franzosen gegen Norden durchbrechenwollten, so mußten sie sich erst gegen Osten und Nordosten hin Raumund Armfreiheit verschaffen. Marschall Bazaine ordnete daher an, daßdas 2. und 3. Armeekorps unter dem einheitlichen Befehl Leboeufs zubeiden Seiten des Tales von St. Barbe vorgehen und die preußischeStellung auf dem linken Flügel bei Servigny umfassen sollten. Das

4. Korps erhielt Befehl, sie in der Front anzugreifen, das 6. gegen dieStellungen der Reservedivision Charly-Malroy vorzugehen. Diese beidenKorps führte Marschall Canrobert. Die Kaisergarde blieb als Rückhaltbei St. Julien stehen.

General v. Manteuffel mußte den Kampf zunächst gegen große Über-legenheit allein aufnehmen. Die von ihm gewählte Verteidigungslinievorwärts von Failly und Servigny erwies sich jedoch als außerordent-lich günstig. Zumal vermochten die 10 dort auffahrenden Batteriendas Gelände gegen die Festung hin vollkommen zu beherrschen.Ihremächtige Feuerwirkung zeigte sich der des Gegners so überlegen, daßdie feindlichen Batterien bald zum Schweigen gebracht wurden." Damitkam der frontale Angriff zum Stehen. Das 6. französische Korps,das gegen Norden den Durchbruch einleiten sollte, wartete auf den Er-folg des Angriffs gegen St. Barbe. Es beteiligte sich am Kampfe erstabends, und zwar durch einen heftigen Vorstoß von Villers l'Orme aus

Frhr. v. d. Eoltz, Kriegsgeschichte II 30