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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Bestreben der Besatzung von Paris , Raum zu gewinnen

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mittags endete der Widerstand. Zwei volle preußische Gardebatailloneblieben in dem eroberten Ort zurück, auf dessen Besitz der Feind augen-scheinlich den größten Wert gelegt hatte, und den er nunmehr von seinenWerken aus mit heftigem Geschützfeuer überschüttete. Der Erfolg hattedie Preußen an S00 Mann gekostet, der Verlust des Feindes ist unbe-kannt geblieben. Nicht weniger als 1200 Gefangene wurden von denheimkehrenden Siegern in die preußischen Linien mitgebracht.

Das Mißgeschick der Truppen bei den letzten Ausfällen steigerte inParis die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Der Regierung wurde selbst-verständlich die Schuld daran beigemessen. Man zieh sie der Unfähigkeit,ja sogar des Verrats. Lärmende Volkshaufen zogen, Waffen verlangend,vor das Stadthaus, Nationalgarden nahmen an der Unordnung teil. Am31. Oktober drangen die Meuterer in das Stadthaus ein, und setzten dieRegierung gefangen, bis sie durch einige treu gebliebene Bataillone wiederbefreit wurde. Waffenstillstandsverhandlungen, durch Thiers in Versailles versucht, scheiterten daran, daß er als Vorbedingung die Verproviantierungder Hauptstadt verlangte, die natürlich nicht genehmigt werden konnte.

Die (age auf dem östlichen Kriegsschauplatz an der Mosel bis zum Falle von Metz

(S. Skizze 63)

Die Kapitulation von Sedan änderte auch den Stand der Dinge vorMetz . Wir wissen bereits, daß das 2. und 3. Armeekorps dorthin zurück-kehrte, und die Einschließungsarmee in voller Stärke vor der Festungstand. Von Bedeutung wurde, daß das Verschwinden der Armee MacMahons Bazaines Entschlüsse bei einem neuen Ausfall ändern mußte.Ein Marsch an der Nordgrenze Frankreichs entlang hatte keinen Zweckmehr für ihn, niemand konnte ihm dort die Hand reichen. Solange sichaber Straßburg noch hielt, fand er bei glücklichem Durchbruch an diesemgroßen Platze einen starken Stützpunkt. Zudem hätte die Befreiung derbelagerten Festung in Frankreich einen bedeutenden Eindruck gemacht.Prinz Friedrich Karl war überzeugt, daß Bazaine, wenn er sich überhaupt zueinem neuen Entschluß aufraffen sollte, seine Richtung nach dort nehmenwürde. Dementsprechend wurden mehr Truppen vor die Südostseite ge-schoben, und der Oberbefehlshaber schlug sein Hauptquartier, das bisherin Malancourt gewesen war, zu Corny im Moseltal auf. Er wollte demvoraussichtlichen Schlachtfelde näher sein.

Bazaine freilich dachte nicht an so kühne Pläne. Die Nachrichten von