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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

General v. d. Tanns Späher stießen schon Ende Oktober überall mehrund mehr auf wachsenden Widerstand. Er sah sich von feindlichenSchwärmen und Truppen allmählich umringt. Seine Lage, weit vonParis und ohne jede Unterstützung, wurde von Tag zu Tag unheimlicher.Am 7. November ließ er, um Klarheit zu gewinnen, die 2. Kavallerie-division gegen den Wald von Marchenoir vorgehen, wo die Franzosenam tätigsten zu sein schienen. Sie traf tatsächlich bei St. Laurent aufstarke, im Vorrücken begriffene Streitkräfte. General Chanzy befand sichmit Teilen des 15. und mit dem 16. französischen Korps bereits auf demWege nach Meung und Charsonville. Beide Orle sollten am 8. Novembererreicht werden, die zahlreiche Kavallerie aber in nordöstlicher Richtungvoraus eilen, um den Bayern den Rückzug zu verlegen. Auch von Gien her sah sich General v. d. Tann bedroht und erkannte, daß es sich umeine Einkesselung handle. Schnell entschlossen sandte er seine Kavallerieden anrückenden Franzosen entgegen und verließ Orleans , dessen unüber-sichtliche, dicht bebaute Umgebung ihm für die Aufnahme des Kampfesunvorteilhaft erschien. Mit seinem Korps wählte er den gefährlichstenGegner zum Ziel. Am 9. November früh traf er nach einem Nachtmarschbei Coulmicrs ein.

Das Treffen von Coulmiers am y. November ^370(S. Skizze 55)

Schon waren auch die Franzosen im Anmarsch. Ihre Front dehntesich über die 20 Kilometer von nördlich Meung bis nach Patay hin aus.Auch die Bayern mußten sich daher sogleich auseinanderziehen und be-setzten an den Waldrändern hinter Coulmiers eine für sie recht breiteStellung, um nicht vom ersten Augenblick an umfaßt zu werden. Baldwurden ihre Bortruppen nach lebhaftem Gefecht zurückgedrängt, aber dieEnergie des Feindes ließ nach. Namentlich auf dem linken Flügel demSchlosse von Preforts gegenüber verhielten sie sich bald völlig passiv.Die Truppen konnten von dort nach der Mitte herangezogen werden.Die Verteidigung beschränkte sich nunmehr auf die Dörfer Gemigny,Coulmiers und den Wald von Montpipeau. Diese verkürzte Stellungwurde am Nachmittag von den Franzosen angegriffen, die zugleich denrechten Flügel in weitausholender Bewegung umfaßten. Die große Über-legenheit des Gegners ließ sich nicht länger verkennen; es fochten etwa20 000 Deutsche gegen 70000 Franzosen. Nachmittags um 4 Uhr ent-schloß sich der tapfere bayerische General, gewiß schweren Herzens, aberdoch die Lage richtig erkennend, zum Rückzüge und führte diesen mit