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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Braunschweig . Herzog Karl verjagt.

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diese Maßregel für rechtswidrig und ungültig erklärte, lies; HerzogKarl die Mitglieder des Gerichts versammeln uud ihre Entscheidungvor ihren Augen durch eiueu Kommissar zerreißen. Gegen denLanddrost von Cramin, der den Treueid weigerte, weil und solangeder Herzog die Versassung uicht auerkauut habe, erlies; der Herzogein allgemeines Umgangsverbot, und endlich brachte er sogar dasBubenstück sertig, sich au das Sterbebett eines ihm verhaßten Be-amten zu setzen, ihm die letzten Stunden zu verbittern und daundiese Heldenthat in seinem Tagebuch zu verzeichnen.

Das Land war in einer Erregung, welche die Stände am27. September 1830 in einer Eingabe an den Bruder des Herzogsmit folgenden Worten schilderten:

Das Aushören einer geregelten, von dem Grundsätze der Erfüllung desStaatszweckes ausgehenden obersten Leitung der Landesangelegcnheiten, Zer-rüttung der Finanzen, Unterdrückung des Schutzes, welchen Gesetze uud einunabhängiger Richterstand den Staatsbürgern gewährt, moralische Verderbnisder Beamten, durch Hebung der Schlechtesten nnd Zurücksetzung der Besserenbewirkt, und fortwährendes Sinken des Wohlstandes der Einwohner istin allgemeinen Umrissen daS Bild, welches mitten in Deutschland aufgestelltzu werden drohte und rasch seiner Vollendung entgcgcngcsührt wurde. EinStaatsmiuisterium stand an der Spitze der Verwaltung, ohne Einfluß aufdie wichtigsten inneren uud äußeren Angelegenheiten, häufig nur als Voll-strecker von Beschlüssen, welche, ohne dasselbe gehört zu haben, oder gegendessen eindringlichste Vorstellung gefaßt waren.

Der Herzog hielt sich gerade in Paris aus, als die Juli-revolution ausbrach, und als er erschreckt nach Brannschweig eilte,erlebte er Äußeruugeu der Entrüstung, die ihn Ähnliches sürchtenließen; aber er trotzte auf die Gewalt. Doch am 7. Septemberabends, als er mit seiner Dirne aus dem Theater zum Schlossesahreu wollte, wurde sein Wagen mit Sreinwürseu verfolgt,meuternde Haufen drangen ins Schloß, der Herzog sloh, das Schloßging in Flammen ans. Man sagte, das; der Adel den Ausruhrgeleitet habe, über das Einzelne ist jedoch keine Klarheit zu ge-winnen: aber außer Zweisel steht, daß das ganze Volk einmütig wariu dem Entschlnsse, diesen Menschen nicht wieder ins Land herein-zulassen. Auch das Militär hat ausaugs durch Zurückhaltung unddauli durch die Bereitwilligkeit, mit der es sich der neuen Regierungzur Versügung stellte, die Revolution unterstützt.