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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Die Entwicklung der Einzelstcmten 18151840.

Die Ruhe in der Stadt wurde rasch wiederhergestellt, einesofort gebildete Bürgerwehr unterstützte dabei das Militär, uudHerzog Wilhelm, der Bruder des Vertriebeneu, eilte als der nächsteThronerbe auf Rat des Königs Friedrich Wilhelms III. so-fort von Berlin nach Braunschweig und bildete dort eine Artprovisorischer Regierung. Er erhielt anch von dem vertriebeneuBruder eiue Vollmacht für sein Vorgehen, durfte aber in Braun-schweig nicht wagen, davon Gebrauch zu machen, souderu muszteauf Audrängen der Stände und unter dein Druck erneuter Volks-bewegungen durch Patent vom 28. September 1830 die Regierungohne Berufung ans des Bruders Vollmacht übernehmen. DieStände hatten das verlangt, weil Herzog Karl sich als unfähigzur Regierung erwiesen habe, und Herzog Wilhelm stellte sich durchseiu Patent vom 28. September 1830 thatsächlich ans diesen Stand-punkt, nur durch den Zusatzbis auf weiteres" sich den Rücktrittvon dieser Anerkennung der Revolution vorbehaltend.

Das fernere Treiben des Herzogs Karl erleichterte die Be-festigung dieser schwankenden Zustände. Zunächst hatte er inLondon Hilfe gesucht, sich aber rasch unmöglich gemacht, dann inpreußischen und haunöverschen Grenzorten eine Bande gesammeltnnd einen gewaltsamen Einfall in Brannschweig versucht, war abergeflohen, sobald die Truppen ihm entgegentraten, und hatte durchdiese und ähnliche revolutionäre Akte nun auch den Deutschen Bund zn der Überzeugung gebracht, daß in diesem Fürsten das Heiligtumder fürstlichen Gewalt nicht Wohl verteidigt werden könne. Aller-dings hatte sich Metternich heftig dagegen gesträubt, aber Preußenzeigte hier eine so feste Haltung und ging so klug vor, daß dieschwierige Sache verhältnismäßig rasch geregelt wurde. Der KöuigFriedrich Wilhelm III. wurde von seinem Schwager Karl vonMecklenburg nnd einigen hohen Damen, namentlich von der erblin-deten Großmutter des Herzogs, mit Klagen nnd Bitten angegangen,dem Herzog Karl wieder zu seinem Lande zu verhelseu, aber er bliebfest. Eine preußische Deukschrift führte aus, daß der Herzog Hand-lungen begangen habe, deren Eindruck sich uicht auslöschen lasse,und die, wenn sie ein Privatmann begangen hätte,ganz andereFolgen" haben würden. Die Agnnten gaben unter dem Ein-