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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Braunschmeig. Herzog Wilhelm und Preußen .

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fluß dieser Haltung Preußens am Blinde die Erklärung ab,sie hätten sich von der absolnten Regierungsunsähigkeit desHerzogs Karl überzeugt, und es sei demnach der Thron als er-ledigt anzusehen und auf den nächsten Agnaten Herzog Wilhelmübergegangen. (10. März.) Daraufhin veröffentlichte der neueHerzog, Wilhelm, am 20. April 1831 ein Patent, mit dem er dieRegierung endgültig übernahm, und am 25. April ließ er sich denHuldignngseid leisten. Er hatte die Entscheidung des Bundestagesnicht abgewartet, sondern die Angelegenheit als eine innere Fragedes Landes und der Agnaten erledigt, alles dies auf Preußens Ratnnd unter Preußens Schutz. Das Patent sogar, mit dein der Her-zog (20. April 1831) die Sache entschied, war in Berlin nicht nurvorgelegt, sondern Hingearbeitet worden: es war das Werk Eichhorns.Preußen hatte das nächste Interesse, daß das Nachbarländchen ingeordnete Verhältnisse komme, daß sich die durch die Revolutiongeschaffene Regierung in eine legitime wandele. Dies konnte soschnell gelingen, weil die Braunschweiger mit ihrer Revolution selbstnichts Anderes erstrebt hatten, als die durch frevelhafte Willkürgestörte Rechtsordnung wiederherzustellen. Aber wie gut es auchgelingen mochte, den gewaltsamen Thronwechsel vom September1830 in die Formen des geltenden Staatsrechts einzukleiden; esblieb doch die Thatsache, daß ein Fürst von seinen Unterthanenverjagt, und daß dies von den anderen Staaten des deutschenBundes zugelassen und gutgeheißen worden war.

Noch nach einer anderen Seite hin hatte das Ereignis allge-meinere Bedeutung. Bei der ablehnenden Haltung Metteruichswar das Vorgehen Preußens der Akt einer kühnen und selb-ständigen Politik iu einer alle Höfe nnd alle Lande stark auf-regenden Frage. Daß nun Preußen feineu Willen so rasch durch-setzte, daß ihm Metternich keinen ernsten Widerstand entgegenzu-stellen wagte, machte vor aller Augen kuud, daß die Entschei-dung über die deutschen und insbesondere über die norddeutschenVerhältnisse vorwiegend in Berlin liege, sobald man in Berlin die Entscheidung in die Hand nehmen wolle. Man kann vermuten,daß die Kraft, mit der in diesen Jahren von verschiedenen Politikerndie Vormachtstellung Preußens hervorgehoben wurde, durch diese