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Die Revolution von 1848 und 1849,
Reichstag waren nur nvch Namen; es rangen zwei Parteien mit-einander, die rücksichtslos über die Schranken hinwegschrittcu,welche ihnen die gesetzliche Autorität, in deren Namen sie stritten,etwa zu ziehen versuchen wollte. Wer siegte, konnte den anderendes Hochverrats zeihen, — aber so lange der Kampf noch schwebte,war es nicht möglich mit Bestimmtheit zu sagen, auf welcher Seitedas Recht stehe und wo der gute Bürger zu kämpfen habe. Wohlhatten anarchische Gewalten vorübergehend in Wien geherrscht undhatten noch weiter Einfluß, aber im Namen Wiens sprachen dochauch vom Kaiser anerkannte nnd bestellte Organe des Rechts.Was bedeutete es aber, wenn sich Jellacie und Windischgrätz aufBefehle des Kaisers beriefen? Wußte man denn nicht, daß derKaiser regierungsunfähig war, daß mit seinem Namen spielte, werihn gerade in der Gewalt hatte? War nicht Jellacie im Sommer1848 als Aufrührer bezeichnet nnd vom Kaiser abgesetzt worden?Die Entscheidung kam schnell. Am 11. Oktober wurde eine Pro-klamation des Fürsten Windischgrätz bekannt, die seineu Marschgegeu Wien ankündigte, und am 16. Oktober ein kaiserliches Mani-fest, das ihn zum Feldmarschall ernannte und zum Oberbefehls-haber aller österreichischen Truppen, die nicht unter Radetzkn inItalien standen.
In Wien gewannen nun die demokratischen Vereine vollendsalle Gewalt, ernannten den Phantasten Mcssenhanser zum Ober-kommandanten und licßeu sich durch ihre Demagogen in demthörichten Gedanken eines ganz hoffnungslosen Widerstandes be-stärken. Am 20. Oktober erschien Windischgrätz vor der Stadt,ließ sich zu billigen Bcdinguugeu bewegen, zauderte aber mit derBesetzung der Stadt. So kam es am 26. zu einem Kampfe undam 28. Oktober zn einem Hanptangriff. Nach neunstündigemKampfe wurden die Vorstädte besetzt, wo uun die wehrlosen Bürgerauf das scheußlichste mißhandelt und viele gemordet wurden. Eswaren Scenen, die nur als eine fortgesetzte Reihe von Verbrechenbezeichnet werden könneu, hinter denen alles verschwand, was Wien seit Beginn der Revolution an Gewaltthaten erlebt hatte. DieSoldaten übertrafen den Pöbel an Roheit, und Offiziere warenMitschuldige des Frevels. Die letzte Verautwortung fällt auf