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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
Entstehung
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Berlin . Umzug des Kvnigs.

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der öffentlichen Ordnung so thätig und tüchtig bewährt habe, vonden Maßregeln in Kenntnis zu setzeu, welche Se. Majestät im Sinnedes Fortschritts zu uehmen gedenke. Es solgte eine Mitteilungähnlich wie in der Proklamation, daß sich der König an die Spitzedes konstitutionellen Deutschlands zn stellen gedenke, nnd das; erdemnächstgeschmückt mit den deutschen Farben" in den Straßeilerscheinen werde und daraus rechne, daß sich die akademische Jugendum ihn scharen werde. Der Minister schloß mit dem Hoch:eslebe nnser wahrhast deutscher König!" und weiter mit dem Hochaus die Verantwortlichkeit der Minister. Ein Student erwidertemit einem Hoch auf den Grafen Schwerin, denVolksfreund".Es war eine sonderbare Versammlang: sie sand in der Aula derUniversität statt, die Studenten waren meist in Waffen, auch derRektor und der Prorektor, die den Minister begleiteten, trugenWaffen. Bald darauf, gegen els Uhr, erschien der König auf demSchloßhofe. Er trug dieUniform des Ersten Garderegiments undden Helm, ein breites Band mit den deutscheil Farben nm denArm; ihn umgaben die anwesenden Prinzen und die Minister. . .alle hatten die deutschen Farben angelegt". Der König redete dieMenge an mit den Worten:Es ist keine Usurpation von mir,wenn ich mich zur Rettung der deutschen Freiheit und Einheit be-rufen fühle; ich schwöre zu Gott, daß ich keine Fürsten vom Thronestoßen will, aber Deutschlands Einheit und Freiheit will ich schützeil,sie muß geschirmt werden durch deutsche Treue auf den Grund-lagen einer aufrichtigen, konstitutionellen deutschen Verfassung!"Lallter Jnbel folgte den Worten, die noch manche Wenduug hatten,die in der später festgesetzten Form sehlt, aber auch in dieser Formlassen sie erkennen, daß der König nicht bloß die Schlagworte desTages wiederholte, daß er vielmehr seine besondere, den Bürgernfernliegende Auffassung der Lage znr Geltung zn bringen suchte.Namentlich in der zarten Sorge, es könne ihm sein Auftreten alsUsurpation augerechuet werden, kam das zum Ausdruck, damit aberzugleich, daß der König nicht bloß gezwnngen und nicht bloßäußerlich der Bewegung beitrat. Er erkannte sie an, indem er denVersuch machte, sie zu leiten und ihr sein Gepräge zu geben.Besonders wichtig war ihm wenigstens den Scheiu zu retten, daß