Sachsen. Beust.
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fertigten alten Stände nach dem Wahlgesetz von 1831 berufen, alsob sie noch beständen, die Bestimmungen über Presse und Vereinemit rücksichtsloser Willkür gehandhabt und die Vertreter der Ideender Gesetze von 1848 bald mit Chicanen, bald mit Härte verfolgt.
So maßvolle Männer wie der Historiker Biedermann und deredle Stephani, der sich in: Dienste idealer Interessen und im be-sonderen in der Sorge für seine Heimatstadt Leipzig verzehrte,haben über Bensts rechtswidriges Regiment ein Zeugnis abgelegt,das durch die schönen Worte der Apologie, die er unter dem Titel„Aus dreiviertel Jahrhunderten" veröffentlicht hat, in keiner Weiseabgeschwächt wird. Thatsachen wie die Maßregelung des akademi-schen Senats der Leipziger Universität, der den unter Bruch derVerfassung berufenen Landtag vom Jnli 1850 nicht zn beschickenbeschlossen hatte, weil er nicht gesetzmäßig sei, die Absetzung der Pro-sessoren Mommsen, Iahn und Haupt und die Umgestaltung der Uni-versitätsverfassung am 23. Mai 1851 sprechen laut genug, wenn manauch von den schwer zu prüfenden Anklagen, die wegen Mißhandlungder politischeu Gefangenen im Zuchthaus zu Waldheim gegen Beusterhoben worden sind, besser absehen mag. So lange Sachsen demDreikönigsbündnis angehörte, leisteten die Liberalen der Reaktionnoch einen gewissen Widerstand, und im November 1849 suchte diesächsische Kammer durch kraftvolle Äußerungen die Regierung beiden Zielen des Vertrags vom 26. Mai 1849 festzuhalten. Abernach Olmütz beugte sich alles in Erschöpfung und Fnrcht. Benstarbeitete „mit dem vollen Hochdruck der Polizei- und Vcrwaltungs-maschine auf die Unterdrückung jeder freiheitlichen, noch mehr aberjeder nationalen Regung in der Bevölkerung" hin. Seit dienationale Bewegung wieder Kraft gewann, hat auch Beust mit ihrund zugleich mit manchen Forderungen des Liberalismus kokettiert;1870 aber haben nur äußere Umstände verhindert, daß er nichtan der Seite Frankreichs gegen Deutschland kämpfte. Das Er-gebnis dieses Regiments war, daß in der Katastrophe des Jahres1866 eine zahlreich besuchte Landesversammlung (am 23. August1866) den Wnnsch aussprach, das Königreich Sachsen möge ganzbeseitigt nnd wie Hannover und Hessen zu einer preußischen Provinzgemacht werden.
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