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Die Reaktion von 1850—1838, im besonderen in Prenßeu.
In Mecklenburg-Schwerin hatte der Großherzog im Mai
1848 in feierlicher Form erklärt:
In unserem engeren Vaterlande wäre eine Reform der Landesvertretungauch abgesehen von den Weltereignissen der neuesten Zeit unvermeidlich ge-wesen. Sie ist jetzt das dringendste Erfordernis. Es liegt die Notwendig-keit vor, daß Mecklenburg in die Reihe der konstitutionellen Staaten ein-trete. . . . Künftig habe jeder Abgeordnete die verfassungsmäßigen Rechteund Interessen aller Landescinwohner, nicht swie bisher) diejenigen des be-sonderen Bezirks oder Standes, dem er angehöre, zu wahren.
Auch die Stände, Ritterschaft und Landschaft, sahen das ein undgaben ihre Zustimmung zu der Berufung eines außerordeutlichenLandtages, auf dem dann eine konstitutionelle Verfassung vereinbartwurde. Sie wurde am 10. Oktober 1849 für Mecklenburg-Schwerin publiziert und trat in Wirksamkeit. Aber die Regierung vonMecklenburg-Strelitz, das mit Schwerin in einer landständischenUnion gestanden hatte, weigerte sich die ueue Verfassung an-zuerkennen und erhob Einspruch beim Schiedsgericht der Union znErfurt. Auch die Ritterschaft von Schwerin und die Städte Rostockund Wismar erhoben jetzt Einspruch, und da Preußen diese Pri-vilegierten unterstützte, so mußte der Großherzog in die Einsetzungeines Schiedsgerichts willigen, das am 12. September 1850 dieVerfassung von 1849 aufhob. So wurden auch in Mecklenburg-Schwerin trotz jeuer Erklärungen des Großherzogs die alten, denBedürfnissen der Zeit hohnsprechenden Zustände wieder eingeführtund gegen die Vorkämpfer der Reform wurde die Verfolgung ent-fesselt, besonders gegen den auch von seinen Gegnern hochgeschätztenMoritz Wiggers und seinen Bruder Julius. Im März 1853 wurdendie Brüder aus Grund eines Netzes von Anklagen, das ein Agentder Berliner Reaktion aus Lügen uud Verleumdungen zusammen-gewoben haltendes Hochverrats augeklagt und nach dreijährigerUntersuchungshaft im Januar 1857 zn drei Jahren Zuchthaus ver-urteilt.
Der politischen Reaktion gesellte sich auch hier eine kirchlicheTyrannei hinzu, deren bekanntestes Opfer der Professor der TheoloigeMichael Banmgarten war. Er gehörte der bibelgläubigen Richtungan, erregte aber durch seinen Protest gegen Einführung neuerCeremonien in die kirchliche Svnntagsfeier den Zorn der herrschenden
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