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Gastgeber das Leben zu erleichtern, svndern benahmen sich mit einem Hoch-mut, der schon unangenehm aufgefallen wäre, wenn wir wirklich alle alsSklaven in Ketten nach Moskau geschleppt worden wären. Dabei mußtenalle ihre Launen befriedigt werden, und der letzte russische Reitkuecht solltenicht Veranlassung zur Klage haben. Kein Wunder, wenn dies Gesinde!immer übermütiger wurde. Denn Gesindel waren sie fast alle, Vornehmewie Geringe; sie betrogen und bestahlen den Kaiser mit einer Offenheit undKühnheit, die gar keinen Glauben anderswo findet als bei Augenzeugen.
Prinz Hohenlohe, dem wir diese Schilderung verdanken, erhärtet siedurch manche Einzelheiten, die er erlebte, und die Äußerungen, dieTheodor v. Bernhardi damals aus Gesprächen mit Beamten undOffizieren aufzeichnete, geben eine traurige Bestätigung der Ein-drücke, die Prinz Hohenlohe am Berliner Hofe und im Kreise seinerKameraden empfing. Berhardi zog die Summe mit den zornigenWorten:
Die Schmach ist ärger wie zur Rheinbundszeit: damals wurde man ge-knebelt, aber man hatte doch gekämpft und war besiegt, — man gehorchteeiner tragischen Notwendigkeit. Jetzt kriechen die Fürsten freiwillig vor demKaiser Nikolaus , um unter seinem Schntz ihre Volker knechten zu köuneu.Damals war man auch geknechtet, aber dnrch Napoleon, der doch ein andererMann war als der Kaiser Nikolaus . . . . Diesen Mann und seine „Groß-artigkeit" aber hört man allenthalben preisen, und wenn er einen Kreuzznggegen Frankreich unternehmen wollte, um die legitime Erbärmlichkeit in derPerson Heinrichs V. ans den Thron zu setzen, so müßte Prenßen mitgehenund mitbluten.
Da nun aber Österreich und Rußland durch die orientalischenWirren und den Krimkrieg seit 1853 in Gegensatz gerieten, sowußte man sich in Berlin nicht zu entscheiden und reizte die beidenals Patrone verehrten Mächte wechselweise zum Zorn. WederMantenffel noch Gerlach hatten eine klare und kräftige Politik indiesen Fragen: um so mehr waren sie geneigt Vorwürfe gegeneinanderzu erheben, und so verschärfte sich auch der Gegensatz, der bereitsüber Fragen der Gesetzgebung nnd Verwaltung bestand. Kam esdoch dazu, daß der Polizeipräsident vou Hinkeldey einem Oppo-sitionsblatt vertrauliche Warnungen zugeheu ließ und die Kreuz-zeitung mit Beschlag belegte, und schließlich erlebte Berlin dieTragödie, in der Herr v. Hinkeldey den Tod fand.
Die Polizei übte damals eine sehr willkürliche Gewalt, be-sonders in Berlin . Während die Bürger in ihrem geselligen Ver-kehr wie in ihren Geschäften Peinlich beaufsichtigt und gestört