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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Die Reaktion von 185018S8, im besonderen in Preußen .

wurden, erfreuten sich die vornehmen Herren und die Offiziereeiner Freiheit, die nicht vergebens zum Mißbrauch lockte. Alsder König über das Hazardspielen der Offiziere zu starke Klagenhorte, beauftragte er 1855 den Polizeipräsidenten v. Hinkeldey, eineder Spielhöllen aufzuhebeu. Die Maßregeln, die Hinkeldey nungegen den vornehmen Jockey-Klub traf, empörten die Herren, undvon Rochow, ein Mitglied des Herrenhauses, machte Hinkeldey Vor-würfe, verwickelte den durch Rücksichten auf den König gebundenenBeamten in ein Dnell und schoß ihn am 11. März 1855 nieder.

Die Stadt Berlin sah in dem einst viel gefurchtsten Toten einenMärtyrer, das Herrenhaus aber brachte Herrn von Rochow fürseine Heldenthat eine Ovation dar. Es ging zu weit, wenn der böseHandel damals vielfach ein politischer Mord genannt wurde, aberwenn man Gerlachs Tagebuch liest, so kann man sich doch des Ein-drucks nicht erwehren, daß in den Vorgängen manches eine solcheAuffassung nahe legte, und die Haltung des Herrenhauses wargauz dazu angethan, diese Auffassung zu verstarken. Das Bürger-tum zauderte denn auch nicht mit seinem Urteil, ließ die feinerenUnterschiede bei Seite und sagte: so entledigt sich das Junkertumder Beamteu, die es anhalten die Gesetze zn befolgen.

Auch fielen damals in der Kammer aus den Reihen derPartei Äußerungen, die mit dieser Angelegenheit nicht zusammen-hingen, aber ebenfalls eine strafwürdige Überhebnng der Junkerüber die Gesetze verrieten und deshalb sehr geeignet waren, solcheUrteile zu befestigen. Ein schlesischer Magnat, der Graf Pfeil, er-hob im Abgeordnetenhause die Forderung, die Rittergutsbesitzer,welche die Polizei ausübten, von den Gesetzen frei zu stellen, welcheden Mißbrauch der Gewalt mit entehrender Strafe bedroheil.Unsere Gewalt ist nicht an diese Gesetze geknüpst, die für Beamtegegeben sind, sie ist wesentlich diskretionär." Er habe selbst mehr-fach Strafen verhängt, zu denen er nicht befugt gewesen sei. Da-bei kam er aus so bedenkliche Dinge zu sprechen, daß er plötzlichseine Rede mitten im Satze abbrach. Der Minister Westphalen nndeinige Führer der Junkerpartei suchten den schlimmen Eindruck zuverwischen, indem sie die Auffassung Pfeils nachdrücklich verwarfen,aber im Herrenhause äußerten sich mehrere Redner im gleichen