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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Leichenverbrennung.

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Siemenssche Ofen bewährt, in dem es nach einem Vorwärme-stadium von 56 Stunden gelingt, den Körper m etwa 2 Stundenvollständig zu Asche zu verbrennen. Wir kennen außerdem uochdie Systeme von Schneider und Klingenstierna. Die Aschekommt, da die Verbrennung in glühender Lust erfolgt, nicht mit demFeuerungsmaterial zusammen, nnd kanu daher gesammelt und auf-bewahrt werden. Bisher ist nur an einzelnen Orten (wie inGotha, Heidelberg, Hamburg und Jena) die Aufstellung undInbetriebsetzung der Verbrennungsofen gestattet worden, sodaß also die Leichen derjenigen Personen, welche verbrannt zuwerden gewünscht haben, dorthin geschafft werden müssen. Dadurchist die gewünschte Verbilligung des Verfahrens unmöglich gemacht,da für jede eiuzelue Verbrennung der Ofen jedesmal von neueingeheizt werden muß und die Kosten des Transportes der Leichesehr große sind. In anderen Städten, wie in München , hat mangroßartig angelegte Krematorien, in denen bis auf die Wiederkehraufgeklärter Zeiten nur alte Kränze und Sargreste verbrannt werden.(Seit dem Jahre 1878 wurden in Deutschlaud rund 4000 Leichenverbrannt).

Den Leichnam unschädlich zu machen und zu konservieren,giebt es verschiedene Methoden: die künstliche Mumifikation unddie Einbalsamierung. Steinbeis und Gratry haben denVorschlag gemacht, die Leichen mit Cement zu inkrustieren nndluftdicht in einem Cementsarge zu verschließen. Damit die nötigeFestigkeit erreicht wird, kommt zuerst um die Leiche ein der Körper-form genau angepaßtes Eisengestell. Diese Bestattnugsmethode hatgroße Vorteile, denn sie verhindert die Gasentwickelung und machtdie Leichen bei ansteckenden Krankheiten unschädlich, ferner ist dieetwa gerichtlich angeordnete Exhumierung erleichtert und durchAufeiuanderstapeln der Cementsärge kann auch Raum gewonnenwerden. Es ist aber nicht unsere Aufgabe und anch nicht unsereAbsicht, die Leichen möglichst lange zu konservieren, sondern wirwünschen sie rasch und in einer Weise, die unsere ethischen Em-pfindungen nicht verletzt, wieder zu Staub werden zu lafsen, des-halb hat anch ein Gedanke von Haden, den übrigens schon KaiserJoses II. ausgesprochen hat, die Leichen ohne Sarg zu bestatten,