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VII. Chirurgie, Augen-, Lhren-, Zahnheilkunde.
konstruierte Schienen ans Telegraphendraht; Nenber empfahl Glas-schienen und O. Bruus mit Schellack imprägnierte plastische Ver-bandpappe oder Plastischen Filz. Als Ersatz sür die GiPSverbäudegab R. de Fischer Celluloseverbände an. Modifikationen desKleisterverbaudes sind der Pappwatteverband von Burggraeveuud der Papierkleisterverbaud vou Heyfelder. Den Wasserglas-verband verbesserten Mitscherlich und Tillmanns durch die Ver-mischung des Wasserglases mit Gips, Kreide oder Cement. — Umdie Gewichts-Extensionsverbände haben sich in Amerika Back, inDeutschland Volkmann nnd Vardenheuer bemüht. Bekannt istder „Volkmannsche Schlitten". —
Aber verlassen wir die Verbandstechnik nnd gehen wir zurkurativeu Chirurgie über. Verschiedene Forscher (Schwimmer,Biedert, Bruns) haben gesehen, daß große, anch maligne Ge-schwülste sich verkleinerten oder vvllständig verschwanden, wennsich in der Nähe eine Notlausinfektion abgespielt hatte. Maukam aus den Gedanken, bei nicht operablen Neubildungen dasErysipel einzuimpfen (Nr^sipelo sslutairs der Franzosen ) undBruns, Janicke und Neisser haben thatsächlich gesehen, daßdurch Zerstörung der Krebszellen und Krebsnester eine Heilungeintrat. Daß dabei auch Mißerfolge zu verzeichnen sind, kann nichtüberraschen; von Interesse ist die Beobachtung Ferrets, daß einKnocheukallus sich in wenigen Tagen nach einer Erysipelinfektionso vollständig resorbierte, daß die Knochenenden srei beweglich waren.Die Behandlung des Rotlaufes selbst hat Fortschritte gemacht,indem man die gesunde Haut an der Stelle, wo die Affektion umsich greift, skarifiziert und dann starke Desinfizientien einwirkenläßt (Karbol, Sublimat, Ichthyol — Felsenthal). Von Larreywurde das Glüheisen empfohlen, Winiwarter riet zu Theer-cinpinselungen, Haberkorn giebt innerlich Atrium deuiioiouw,die englische Chirurgie Eisenpräparate.
Der Hospitalbrand, welcher vor Einsührnng der Antiseptikzahlreiche Lpser forderte, ist heutzutage äußerst selten. Es handeltsich um einen brandigen Zerfall der Wundgranulationen aufseptischer Basis; die bakterielle Ursache hat man noch nicht gefunden,auch in der neuesten Arbeit vou Rosenbach ist dieselbe nicht an-