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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Neuere Antiseptika.

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P. Beat gab eine Mischung von 8 A Chlorophorm auf 100 1 Luftals das Zweckmäßigste an. Sektionsbefuude liegeu vor von Sansom,Kappeler und E. Luther. Reckliughauseu fand im Herzen nndin den größeren Venenstämmen Gasblasen, womit eine frühere An-gabe von Langenbeck bestätigt wurde. Winsgradow endlich kon-statierte eine körnige Degeneration der Ganglienzellen des Herzens,Gehirns und Rückenmarkes. Beim Lachgas hat E. Henkel nachseiner Statistik unter 4ö Millionen Narkosen nur 14 Todesfällegesehen. Eine Behauptung von Ulbrich, daß das Stickstofsoxyduldurch Verbindung mit dem Hämoglobin gefährlich werden könne,hat sich nicht aufrecht halten lasten.

Die Antiseptik hatte in ihrem Gefolge die Vergiftungen mitden antiseptischen Mitteln. Über die akute und chronische In-toxikation mit Karbolsäure haben Czerny und Küster gearbeitet,Falksou wies sogar die Schädlichkeit des Karbolsprays für biederOperation assistierenden Ärzte nach. Zu bemerken wäre an dieserStelle, daß die feuchtwarmen Karbolverbäude an den Fingern undZehen wegen der großen Gefahr der Gangrän in jüngster Zeit aufden Index gesetzt wurden. Giftiger noch ist das Sublimat(Sonnenburg, Mikulicz ). Das von Mvleschvtt und Mosetigeingeführte Jodvphorm hat stark giftige Wirkungen (Tillmanns)und wirkt außerdem so deprimierend auf die Psyche, daß Ver-stimmuugszustäude bis zu Melaucholieu beobachtet werdeu. HolgerMygind warnte besonders vor der gleichzeitigen Anwendung vonJodophorm und Karbolsäure. Während Salol (Hesselbach) undDermatol (Weißmüller) nicht ganz ungistig sind, bestehen dieseBedenken bei dem Euphorin, Sozvjodol, Aristol, Europhen undLoretin uicht. Die in England viel verbreiteten Alkoholverbäude,die man in Deutschland längst vergessen hatte, gewinnen in denletzten Jahren wieder Freunde.

Die Schieueuverbäude haben eine große Vervollkommnung er-fahren, weil man teils durch die Jmprovisationstechnik, teils durchVersuche die verschiedenartigsten Materialen zur Beuutzuug herbei-gezogen hat. So leimten Martini und Gooch Lindeuholzstäbchenauf weiches Leder und bekamen dadurch biegsame Schiene», welcheEsmarch durch einen schneidbaren Schienenstoff ersetzte. Derselbe

Müller, Organ. Naluriv. Lt)