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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
Entstehung
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Z10 VII. Chirurgie, Augen-, Ohren-, Zahnheilkimde,

Alkohol, sowie durch die Einführung von Silberdraht, Kupferdraht,Pferdehaaren, endlich durch Akupunktur und Galvanopunktur.Tiefe letztere empfiehlt Tillmanns, die Einführung von DrähtenFilipunktnr) ist nach Verneuil sehr gefährlich. Über noch neuereMethoden, die im allgemeinen ans die Blutgerinnung einwirkensollen (Gelatine), sind die Vorversuche noch nicht abgeschlossen.

Gehen wir zu den Knochenbrüchen über, so haben wir imAnfang dieses Kapitels schon ausführlich berichte» können, nachzu-tragen sind die Erfahrungen bezüglich der Osteoplastik. Versuchevon Ollier, Bergmann, Tillmanns u. a. haben ergeben, daßman größere, vollständig losgelöste Knochenstücke in Defekte ein-heilen kann, ebenso gelingt es nach Senn und Kümmel, tote,entkalkte Knochenstücke znr Transplantation zu benutzen, ja sogarElfenbeinstücke. Hinterstoißer gelang die von A. Fränkel ge-ratene Einheiluug einer Celluloidplatte iu einen Schädeldefekt;Trendelenburg und Sonnenburg heilten Knochendefekte mitGips, Cement oder Kupferamalgam aus, doch ist dieses Verfahrennoch zu jung, um ein abschließendes Gutachten zu gestatten. DieKnochentuberkulose wird nach bekannten Grundsätzen behandelt;die von Paget (1876) beschriebene Ostitis äetorm-rns ist ätiologischnoch nicht genügend erforscht, wie dies bei der Phosphornekrose derFall ist, die Lorinser'schon 1845 genau schilderte. Die Nhachitis'wird ebenso wie die Osteomalacie als eine Ernährnngsstöruugaufgefaßt, bei welcher es an den zum Aufbau der Knochensubstanznotwendigen Kalksalzen fehlt. Im Gegensatz dazu nahm Fehlingan, daß die Ursache des Leidens in einer krankhaften Steigerungder Thätigkeit der Ovarien zu suchen ist und entfernte die Eier-stöcke mit gutem Erfolge. Diese Methode, bei der mitunter auchder Uterus entfernt wurde, hat nach Kummer glänzende Resultate,wogegen Petrone den Erfolg der Narkose beschreibt.

Große Verbesserungen hat die Kriegschirurgie aufzuweisen,die sich namentlich in den letzten Kriegen vorzüglich bewährt hat.Man hat erfahren, daß die Kugeln selbst in Gelenken einheilen könnennnd unterläßt daher alle überflüssigen Sondierungen, besonders mitnicht desinfizierten Instrumenten. Als bestes Antiseptiknm gilt fürKriegszwecke das Sublimat, die Schwämme werden durch Mulltupfer