Anfänge der Augenheilkunde.
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frühzeitig der Wert der Augenheilkunde erkannt worden zu seiu,denn Richter, Langendeck und Himly hielten daselbst ophthal-mologische Vorlesungen mit Krankendemonstrationeu. In Berlin lehrte C. F. Graefe seit 1810, und Rust und Juengken seit1824. Wien bekam seine erste Professur 1812, die Beer leitete,dessen Namen in der Augenheilkunde einen guten Klaug hat.Georg Josef Beer (1763—1821) ist der Lehrer der bedeutendstenAugenärzte seiuer Zeit geworden und zeichnet sich durch nüchterneAuffassung aus, die seineu Werken, nameutlich seinem „Lehrbuchder Augenheilkunde" einen besonderen Wert verleiht. SeineHeilmethode baute sich auf pathologische Voraussetzungen auf,wodurch er mit der Strömung seiuer Zeit iu lebhaften Gegen-satz trat und gerade die Befähigten seiner Zeitgenosseu gefangennahm. Wir haben von Beer auch historische Werke, welche abernicht so sehr wie sein Lehrbuch Veisall fanden, weil sie zwar vongroßer Belesenheit zeigen, aber nicht den inneren Zusammenhangder Dinge darstellen. Das zwei Bände starke Werk Beers schil-dert den Zustaud der Augeuheilkuude seiner Zeit in so muster-gültiger Weise, daß einige Excerpte aus demselben Wohl am Platzesein dürften. „Die Augeuentzündung ist ein durch gemischte, Positivwirkende Schädlichkeiten erzeugter Veruichtuugsprozeß des Augesoder seiner einzelnen Gebilde." Die Verletzungen des Auges be-handelt er in rationeller Weise, indem er alle Schädlichkeiten be-seitigt, Veruureiuiguugeu eutferut, an geeigneten Stellen näht uudvorgefallene Teile der Regenbogenhaut durch Reiben der Lidränderoder durch plötzliches Einfalle» grellen Lichtes beseitigt. Blutungenin der vorderen Kammer beseitigt er operativ. Wird bei einerStaaroperation der Glaskörper angeschnitten uud es fließt nichtmehr als ^/g desselben aus, dann ist das Auge uicht verloren.Die Angeuentzündnug der Neugeborenen, die man sich durch dieunreine Luft der Gebäranstalten, durch starke Lichtreize und durchErkältungen durch das kalte Taufwasser erklärte, sind zur damaligenZeit etwas ungemein Schädliches gewesen, so daß wir uns eigentlichgar nicht mehr vorstellen können, welchen Fortschritt die moderne Be-handlung gebracht hat und wie sehr durch diese die Zahl der völligErblindeten herabgedrückt wurde. Bei der Regeubogeuhautentzüudung