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VII. Chirurgie, Augen-, Ohren-, Zahnhcilkunde.
(Jritis) wandte man den großen Apparat der entzündungswidrigcnMittel an, aber die heutige segensreiche Behandlung mit Pupillen-erweiternden Mitteln kannte man nicht. Überhaupt scheint es, alsob man die Mittel zur Erweiterung und Verengerung der Pupille,die schou deu Alleu bekaunt waren, im Mittelalter und bis hereinin die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts absolut vergessen hätte,weil derselben niemals Erwähnung gethan wird. Außerdem keuutBeer die gonorrhorische und luetische Augenentzündnng, gegen welchletztere er Quecksilber anwandte und die psorische. Wir wisseu,daß die Psora bei Hahnemann eine große Rolle spielte. Beerverstand darunter das Trachom, die sogenannte ägyptische Augeu-krankheit. Den grünen Staar (das Glaukom) kannte Beer,aber erst seinen Nachfolgern war es vorbehalten, ein Mittel da-gegen zu finden.
Im zweiten Band seines Werkes schildert Beer die Nach-krankheiten der Augenentzündungen, die Mißbildungen nnd dengrauen Staar, letzteren in vollendeter Weise; seine Methode,durch deu uuteren Halbbogenschnitt, der nach ihm genannt wird,die Linse auszuziehen, ist sormvollendet. Die Ursachen, die er fürdie Entstehung des Staares angiebt, zeigen, daß er sich gerade mitdieser Krankheit sehr viel beschäftigt hat: die vielen Staarblinden,die er operierte, gaben ihm eine sichere Hand. — Was er vomschwarzen Staar (von der Sehnervenatrvphie) sagt, sind nur Ver-mutungen, die an sich höchst geistreich sind, aber durch die Er-findung des Augenspiegels dnrch Helmholtz unbarmherzig überden Haufen geworfen wurden. Schieloperationen machte Beernicht; die Kranken mit Refraktionsanomalien waren den Optikernüberlasfen, denn es gab damals keine eigentliche wissenschaftlicheUntersuchung auf Kurz- und Weitsichtigkeit in unserem heutigenSinne, mir ist eines von höchstem Interesse, daß Beer bei hoch-gradig Kurzsichtigen in Erwägung zog, ob man das Leiden nichtdnrch Ausziehung der Linse bessern könne. Man hat sich überdiese Vorahuuug Beers gewundert, denn die Extraktion der Linsebei stärkerer Kurzsichtigkeit ist das Modernste im ophthalmologischeuLager, aber mau darf nicht vergessen, daß dieser Vorschlag fürjeden, der sich die Physik des Sehens vorstellt, eigentlich sehr nahe