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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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G. I, Bcer.

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liegt und daß andererseits diese Neuernng sehr wenig Nutzen ge-stiftet hat und so ziemlich wieder verlassen worden ist, weil sichherausstellte, daß schwere nervöse Zustande sich einstellen. Dieselbenwerden mir vermieden, wenn der rechte Augenblick getroffen ist,und dieses ist ganz unmöglich mit absoluter Sicherheit zu bestimmen.

Der Wiener Augenarzt mit seiner reichen Praxis saßtc alleSzusammen, was ihm die Vorfahren hinterlassen hatten, wenn erauch gerade kein großer Historiker war, und brachte seine Wissen-schaft bedeutend vorwärts. Er hat freilich manchen Widersprucherdulden müssen, aber der Ruhm, daß er der Größte seiner Zeitgewesen ist, kaun ihm uicht genommen werden, ebensowenig wie dieThatsache bestritten werden kann, daß bis zur Erfindung desAugenspiegels die Augenheilkunde außer ihm wenig wesentlicheFortschritte gemacht hatte. Was erreicht wnrde, waren nurkleinere Verbesserungen in der Diagnostik und Therapie, die durchdie Anhäufung des Materials erklärlich sind, denn in den sichvermehrenden Kliniken und auch in den privaten Augenheilanstaltenwar Gelegenheit zu Beobachtungen genug vorhanden. Zv wurdedie Breslauer Universitätsklinik 1315 errichtet, die Bonner 1819,die Freiburger 1820. Daneben entstanden verschiedene Privat-kliniken in den größeren Städten, so in Nürnberg, Erfurt, Dresden ,Hannover . Wie fleißig schon damals gearbeitet wurde, beweisenauch die aus dem Anfange des Jahrhunderts stammenden Zeit-schriften:Die ophthalmologische Bibliothek" von 18031807, dieZeitschrift für Ophthalmolvgie" von 18311836nnd dieMonatsschrift für Augenheilkunde uud Chirurgie"von 18361840. In Frankreich konnte die Angenheilkuude erst späterFuß fassen uud zwar nur durch den Einfluß deutscher Ärzte; unterdiesen sind besonders zu uennen: Stöber nnd Julius Sichel (18021868), der in Privatvorlesungen und durch sein Institutsich großen Ruf verschaffte uud es in geschickter Weise vermied,seine aus Deutschland geschöpften Lehren als etwas Fremdes hin-zustellen, so daß dadurch der Natioualstolz der Franzosen nichtbeleidigt wurde.Er vermied es," wie Hirsch sagt,alsApostel einer exotischen Lehre aufzutreten, wies vielmehr inrichtiger Beurteilung der nationalen Empfindlichkeit der Franzosen