Ohrenheilkunde,
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hundert und wurde in Deutschland von Himly empfohlen. Unterdie hervorragenden Otiater der älteren Epoche gehört WilhelmKramer s1801—1875), der sich besonders dadurch auszeichnete,daß er die Katheterisation uud die Luftdouche in der Behand-lung der Schwerhörigkeit verwendete und sür sein Fach in Wortund Schrift jederzeit eintrat. — Die Physiologie und Pathologiedes Hörens bildete Joseph Toynbee (1815—1866) aus, der einegroße Anzahl von Sektionen des Gehörorganes machte nnd dieSchwerhörigkeit auf Veränderungen im schallleitenden Apparatezurückzuführen bemüht war. Außer den Genannten gaben sich nurwenige Gelehrte mit dem Studium der Gehörkrankheiteu ab unddie Otiatrie segelte im Schlepptau der Chirurgie und wurde jenach den Neigungen der Vertreter dieser Disciplin an den einzelnenUniversitäten mit größerer oder geringerer Liebe oder auch garnicht betrieben, so daß Wohl die meisten Ärzte ohne Vorkenntnisin diesem Fache in die Praxis hinauskamen. Auch der Staatnahm sich dieser Specialität nur in so unzureichendem Maße an,daß die Besserung nur langsam erfolgen konnte. Es ging damalsim ersten Drittel des Jahrhunderts mit der Ohrenheilkunde ähn-lich, wie heute mit der gerichtlichen Medizin in Deutschland , dietrotz ihrer Wichtigkeit noch immer kein Ordinariat hat sindenkönnen.
Die ersten Vorlesungen über Ohrenheilkunde wurden in Berlin im Jahre 1832 und in München 1849 gehalten, der Aufschwungdatiert aber erst vom Auftreten einer Reihe von Männern, die inder Wissenschaft unvergessen bleiben; es sind Troeltsch in Würz-burg, Schwartze in Halle, Politzer und Grnber in Wien , Moosin Heidelberg, Schillbnch in Jena, Lucae in Berlin, Hagen inLeipzig, Toynbee und Uearsley in London . Es ist ein auf-fälliges Zusammentreffen, daß so viele ausgezeichnete Forscher sichgleichzeitig der Ohrenheilkunde zuwandten. Man nimmt im all-gemeinen an, daß Anton Freiherr von Troeltsch (1829—1890)der erste bedeutende Ohrenarzt war; dies trifft wohl für Deutsch-land zu, aber man mnß daran denken, daß Troeltsch aus seinenweiten Reisen, die seiner Niederlassung in Würzburg vorhergegangensind, in London bei Toynbee in die pathologische Anatomie der