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VII. Chirurgie, Augen-, Ohren-, Zahnheilkunde.
Gehörkrankheiten eingeweiht worden war. Dadurch werden seinegroßen Verdienste, die er sich durch die Erfindung des Ohren-spiegels im Jahre 1856 erwarb, sowie durch sein in vielen Auf-lagen erschienenes „Lehrbuch der Ohrenheilkunde", nicht immindesten geschmälert. Seine Werke wurden in alle lebendenSprachen übersetzt, mit Troeltsch ist die Gründung des „Archivesfür Ohrenheilkunde" verknüpft, das seit dem Jahre 1864 er-scheint und eine Fundgrube des Wisseus ist. Die Hauptbedeutungdes Würzburger Ohrenarztes liegt in der Ausbildung der Unter-suchuugsmethoden, namentlich der Beleuchtung des Trommelfelles.Troeltsch , dessen Ruf zahlreiche Patienten nach der Stätte seinerLehrthätigkeit zog, wurde trotz seiner epochemachende», allseitig an-erkannten Arbeiten noch bei Lebzeiten vergessen, weil er durchschweres Siechtum au dem Ausbau seiner Lehre gehindert war.
Zur gleichen Zeit, zu der sich Troeltsch in Würzbnrg habili-tierte, ließen sich Politzer und Grub er iu Wieu uieder. AdamPolitzer (geb. 183S) hat eine Sammlung pathologischer undanatomischer Präparate des Gehörorganes in seltener Reichhaltig-keit angelegt nud außer seinem bekannten „Lehrbuch der Ohren-heilkunde" vorzügliche „Wandtafeln zur Anatomie des Ge-hörorganes" und einen „Atlas der Beleuchtungsbilder desTrommelfelles" verfaßt. Er hat die anatomische Seite seinesFaches mit großer Vorliebe kultiviert und sich um die Heilung derMittelohreiteruugen, sowie um die Katheterisativu der EustachischenNvhre verdient gemacht. Wenn Troeltsch durch seinen genialenBlick vieles frühzeitig erkannt hat, was erst die Forschung mühsambeweisen mußte, so ist Politzer der fleißige, stets auf wissenschaft-licher Grundlage bleibende Forscher, der, das ganze Gebiet derOhrenheilkunde beherrschend, gerade für die Behandlung segensreichgewirkt hat, weshalb auch sein Name über die Grenzen Österreichs hinaus Bedeutung hat. Nicht minder ist sein Kollege JosesGruber (1827 — 1900) zu rühmen, dessen „Lehrbuch derOhrenheilkunde" über die kleinsten Details Auskunft erteilt.—Die Beziehung der Gehörleiden zu anderen Krankheiten studierteSalomon Moos (1831—1895), welcher die Heidelberger Klinikbegründete. Ihm verdanken wir anch eine Übersetzung des be-