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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Troeltsch ,

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rühmten Lehrbuches der Ohrenheilkunde von Tvynbee insDeutsche, sowie dasArchiv für Ohrenheilkunde undAugenheilkunde". Seine Arbeiten über die Beziehungen vonOhreiterungeu zn Gehirnkrankheiten, von Ohraffektionen zu Trige-minus-Entzündungen, über die Pilzinvasionen des Labyrinthes beiMasern und Scharlach nehmen in der Litteratur einen Ansnahme-vlatz eiu. Johann C. A. Lncae (geb. 1835) ist der Vertreter derOhrenheilkunde in Berlin . Er studierte dieSchalleituug durchdie Kopsknochen uud deren Bedeutung für die Diagnostikder Ohrkrankheiten" uud die subjektiven Gehörsempfindungen;außerdem erfand er eine federnde Drucksonde, mit der es möglichist, durch Vibrationsmassage die Gehörknöchelchen in Bewegung zusetzen und damit deren dnrch Sklerose erzeugte Starrheit zu über-winden und eine Reihe von bisher für unheilbar gehaltenenTaubheiten oder Gehörsbeeinträchtigungen zu Heileu. JamesJearsley, ein berühmter Londoner Ohrenarzt, von dem Geburts-und Sterbejahr nicht zu eruieren ist, der aber zn Anfang desJahrhunderts geboren wurde, beobachtete, daß ein Kranker durchEinführung von erweichtem Papier seine dnrch Perforation desTrommelfelles gestörte Gehörthätigkeit verbessern konnte und modi-fizierte dieses Verfahren dadurch, daß er Watte ins Ohr einführte,weshalb er sich auch die Erfindung des künstlichen Trommelfelleszuschrieb. Er publizierte diese Beobachtung im Jahre 1848, alsozu einer Zeit, wo es in Deutschland mit der Ohrenheilkunde schlechtbestellt war. Von dem Schotten Adam Warden, einem Zeit-genossen Jearsleys stammt das Auriskop, ein Apparat mit demman das Trommelfell, den Kehlkopf und die Eustachische Röhrebeleuchten kann, das aber in der Neuzeit nicht mehr zur An-wendung gelaugt, überhaupt nie recht anerkannt worden zu seinscheint.

Während Jearsely die durch Trommelfelldefekte hervorgerufeneZchwerhörigkeit durch sein künstliches Trommelfell zu bessern ver-suchte, empfahl unabhängig von ihm zu demselben Zwecke JuliusErhard (18271873) das Vorschieben von angefeuchteten Metall-kugeln bis zur Perforationsstelle, von anderer Seite wird berichtet,daß er auch Wattekugeln benutzte. Die akute Entzündung des