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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Hörprüfungen.

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Vergrößerung zu sehen. Die Anatomie des Gehörorganes fand inWilhelm Kießelbach in Erlangen (geb. 1839), in Josef Gruberund in G. Schwalbe eifrige und erfolgreiche Forscher, denen sichder Würzburger Otologe Wilhelm Kirchner (geb. 1849) ange-schlossen hat, welcher das Troeltschsche Erbe antreten durfte. Da-zu kommt eine Reihe von Forschern, die zum größten Teil denAnatomen zuzuzählen sind, wir brauchen nur die Namen Koelliker,Heule, Corti, Deiters, M. und F. E. Schultze, Reichertund Gustav Retzius zu nennen, von denen der letztere eine Auf-sehen erregende Studie überDas Gehörorgan der Wirbel-tiere" 1884 veröffentlicht hat. Die Physiologie des Hörens, dieAkustik, haben wir schon an anderer Stelle besprochen, die Patho-logie des Hörens so genau zu schildern, wie es nach den neuestenForschungen uötig wäre, verbietet der Mangel an Nanm; daznkommt noch, daß die Mindestzahl der vielen auf diesem Gebiete sichaufdrängenden Fragen in einwandfreier Weise gelöst ist.

Zu großer Vollendung sind die Hörprüfungen gelangt, dieman mittels der Stimmgabel, der Taschenuhr und der mensch-lichen Stimme ausführt. Die Taschenuhr ist das unzuverlässigsteInstrument, mit der Stimmgabel dagegen gelingt es, sehr seineHörprüfungen anzustellen. Damit der Ton gleichmäßig anhält,konstruierte Helmholtz die elektro-magnetische Stimmgabel;um die Pereeption des Tones zu verlängern, bedient man sich mitVorliebe eines von Helmholtz empfohlenen Resonators. DiePerceptionsfähigkeit beider Ohren, resp, ein zwischen beiden bestehenderUnterschied wird am besten dadurch wahrgenommen, daß man nachUrbantschitsch in jedes Ohr einen Gnmmischlauch steckt und denfreien Enden in rascher Folge die tönende Stimmgabel nähert, wobeisich deutliche Unterschiede zeigen. Das von Lucae erfundeneJnterferenz-Otoskop dient dazu, die Reflexion der in den Gehör-gang gelangenden Schallwellen zu prüfen. Weitere Apparate zurBestimmung der Hörschärfe sind das Sonometer (Hughes),dessen Hauptbestandteil ein Telephon ist, wie auch Koerting undBlyth dasselbe zur Messung der Hörfähigkeit benutzten. DieUntersuchung mit der Sprache, welche von einigen als das idealeangesehen wird, hat eine Reihe von Fehlerquellen, welche noch