Künstliches Trommelfell.
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Guttaperchascheibe mit einem dünnen, im Centrum der Scheibebefestigten Drahte ins äußere Ohr einführte. Vorher machte erVersuche mit dem Plättchen ohne Leitungsdraht, gab dieselben aberwieder auf. Berthold empfahl den Substauzvcrlust im Trommel-fell durch Transplantation zu decken, er benutzte zu diesem Zweckeauch die Schalenhaut des Hühnereies. Große Fortschritte hat dieBehandlung der eiterigen Mittelohrentzündung gemacht, die nichtselten mit Eiteransammlungen im grobinaschigen Gewebe desWarzenfortsatzes kompliziert wird und dadurch zu Gehirnent-zündungen gefährlichster Natur Veranlassung giebt. Man durch-bohrt rechtzeitig das Trommelfell und meiselt den Warzenfortsatzauf, wodurch dem Eiter freier Ablauf ermöglicht wird. Es istbekannt, daß sich diese üblen Zufälle sehr oft an die bekanntenKinderkrankheiten, namentlich an Scharlach und Masern anschließen,nnd ferner hat man beobachtet, daß einzelne Epidemien zahlreiche,andere gar keine Ohrerkrankungen hervorrnfen. Dem Ohrenarzteist auf diesem Gebiete ein reiches und dankbares Arbeitsfeld an-gewiesen. Verdient um die Operation der Aufmeiselung desWarzenfortsatzes machten sich nebenTroeltsch, der die Aufmerksam-keit der Ohrenärzte wieder auf dieselbe lenkte, Schwartze, Gruberund Pagen stech er. Von Interesse sind die Verwachsungen derGehörknöchelchen untereinander, welche meist durch chronische, ent-zündliche Prozesse hervorgerufen werden und durch eine Art vonMassage, nämlich dnrch die Lustdouche, verbessert werden können.Lucae ging sogar so weit, die Beweglichkeit der Gehörknöchelchendurch die Anwendung von Drucksonden zu steigern, von welchemVerfahren man in Fällen, in denen die Lustdouche ohne Erfolggeblieben war, noch Nutzen gesehen hat. — Daß man die Ver-bindung der einzelnen Knöchelchen untereinander mit dem Messerlöst, haben wir schon erfahren.
Zur elektrischen Untersuchung des Gehörorganes gab Brennereine Normalformel an, nach welcher der Kathodenschluß eine starkeKlangempfindung, die Kathodenöffnung und der Anodenschluß keineEmpfindung, dagegen die Anodenöffnnng eine schwache auslöst.Die Lehren Brenners, die anfänglich mit großem Enthusiasmusaufgenommen wurden, wurden nach den Untersuchungen von
Müller, Organ. Naturw, 22