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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
Entstehung
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Z89 VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.

sind die Mikrometerschraube und der Schlittenobjektiv-wechsler, sowie die heizbaren Stative, mit Hilfe deren esgelingt, die Gewebe im lebenden Zustande zu untersuchen. Umden erwärmbareu Objekttisch haben sich Max Schultze , Strickerund Israel besonders verdieut gemacht.

Je größer die Ansprüche an die genaue Durchforschung derGewebsteile wurden, um so mehr sah man ein, daß man mitZupfpräparaten und Schnitten, die aus freier Hand gemachtwerden, nicht mehr auskommen konnte. Aus diesem Gruude erfandman Apparate, mit denen es gelingt, die gehärteten oder gefrorenenPräparate maschinell zu schneiden und ersann das Mikrotom:das erste derartige Instrument gab Welcker (1856) an. Daseinfachste Mikrotom stammt von Ranvier und besteht aus eiuemHohlcylinder von Metall, der oben eine kleine Platte hat. Dasim Innern des Cylinders befindliche Schnittobjekt wird durch eineSchraube bewegt, so daß die Schnitte eine beliebige Dicke erhalten.Bei den Longschen Mikrotomen verschiebt sich ein Schlitten aufeiuer schiefen Ebene. Für große Schnitte (z. B. durch das ganzemenschliche Gehirn) reichen die genannten Apparate nicht aus,weil das Präparat uicht genügend besestigt werden kann undleicht austrocknen würde. Man schneidet deshalb unter Flüssigkeit(Alkohol) und benutzt das vou Gudden angegebene Tauchmikrotom.Damit ist aber die Anzahl der erfundenen Apparate noch langenicht erschöpft. Fast in jeder Klinik wurden Verbesserungen er-dacht, fast jeder Justrumeuteufabrikant hat gewisse Korrekturen an-gebracht, die seinen Namen tragen. Es würde zn weit führen,wenn wir hier ins Detail gehen wollten.

Für manche Zwecke kann es von Bedeutung sein, das mikro-skopische Bild festzuhalten, oder mit anderen Worten, zu photo-graphieren. Schon 1845 gab ein französischer Arzt Donne einen mikroskopischen Atlas heraus, dessen Bilder er mit Hilft desSonnenmikroskopes auf eine Daguerrefche Metallplatte projizierthatte. Gerlach (1862), Beale, Montessier, Beneke (1868),G. Th. Stein (1877) u. a. in. schrieben ausgezeichnete Anleitungenzur Mikrophotographie. Da man die photographischen Aufnahmenmit Hilfe des Skioptikons vergrößert projizieren kann, so ist