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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Rokitansky .

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verdammte, aber als Methode der Forschung pries; auch seine Be-gutachtung der Schopenhauerschen Lehre mag ihm uuvergesseu bleiben,weil er den Idealismus des Philosophen verteidigte, aber seinenübrigen Anschauungen scharf zu Leibe ging. Auch sonst trat erim Leben oft durch seinen Freisinn hervor, der kein Schielen nachoben kannte; als Mitglied des österreichischen Herrenhauses forderteer in einer glänzenden Rede die Trennung der Schnle von derKirche. Fassen wir Rokitanskys Leistungen zusammen, so ergiebtsich daß er ein Mann war, welcher auf seine Zeit einen gewaltigenEinfluß hatte und höchst befruchtend auf seine Schiller wirkte.Ihm galt als oberstes Princip für den Arzt die Beobachtung amLeichentisch, die aber nur dann Bedeutung erhält, wenn sie mit denim Leben deutlichen Krankheitserscheinungen in Einklang gebrachtwerden kann. Ist er in gewissem Sinne der Vorläufer Virchows,so kann er andererseits als dessen Mitkämpfer bezeichnet werden,denn in vielen Punkten stimmen die Ansichten der beiden Männerüberein oder es wurden wenigstens die Lehrsätze des Älteren durchdie Entdeckungen des Jüngeren vervollständigt.

Neben dem Pathologen Rokitansky glänzte in Wien derInternist Josef Skoda (18051881), der seine PathologischeAnsbildnng seinem Zeitgenossen verdankte. In feinerAbhandlungüber die Perkussiou und Auskultation", die in erster Auf-lage 1839 erschien, stellte er die früher schon von Auenbrugger,Corvisart, Laennec und Piorry begründete Lehre auf eine sichereBasis. Er war durch das Stndium der französischen Klassiker aufdie Physikalischeu Untersuchungsmethoden gekommen, die er dannmit großem Glück und Scharssinn weiter ausbaute. Ihm ist eszu verdanken, daß die Resultate der Physikalischen Untersuchungmit den Ergebnissen der Obduktion in Einklang gebracht wurden,er zeigte, welche Veränderungen der Gewebe ans bestimmten Schall-unterschieden geschlossen werden können. Während seine Vor-gänger sich einfach darauf beschränkten, die gefundenen akustischenPhänomene zu registrieren, kam ihm seine pathologisch-anatomischeSchulung zn gnte, so daß er sie auch deuten konnte und damitdie Auskultation und Perkussion zu äußerst wichtigen Unterrichts-gegenständen uud diagnostischen Hilssmitteln machte. Freilich stammt