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Neider besessen hat, da er von bestrickender Liebenswürdigkeit warund eine rasche und glänzende Diagnose sein eigen nannte. KeinWunder, daß er bald einer der gesuchtesten Ärzte war. SeineAufgabe als Arzt faßte er so auf, daß der Mediziner zwar un-ablässig bemüht sein müsse, sich wissenschaftlich auszubilden, das;aber die Hauptkunst desselben in der Fähigkeit liege, Krank-heiten zu heilen. In gewisser Beziehung ist er von den An-sichten seiner Zeitgenossen in Wien doch beeinflußt worden, deuuer hatte nicht viele Heilmittel und beschränkte deren Zahl aufwenige aber sicher wirkende. Litterarisch ist er nicht sehr hervor-getreten. Sein Nachlaß wurde von seinem Schwiegersohn Stoffelaherausgegeben; was Ovvolzer zu Lebzeiten der Öffentlichkeitübergab, waren knrze Aufsätze in den verschiedenen medizinischenZeitschriften.
Sein Nachfolger war der von seiner Würzburger Thätigkeither schon berühmte Heinrich von Bamberger (1822—1888); erschrieb vor allem über die Krankheiten des Herzens und deschylovoetischen Systems. Er war ein Schüler von Skoda undRokitansky und lehrte in Würzburg , als dessen Hochschule imhöchsten Ruhme stand. Sein fesselnder Vortrag und namentlichauch seine blendende Diagnostik verbunden mir reichein Wissen sindebenso anzuerkeuuen, wie die Fähigkeit, die einzelnen Krankheits-fälle den Studenten in logischer Weise zu entwickeln. Wien ver-dankt ihm außer seiner fruchtbringenden ärztlichen Thätigkeit anchnoch die Berufung Nothnagels. — Über Herz- und Gefäß-krankheiten schrieb noch ein anderer Wiener Lehrer, Karl Bettel-heim (1840—1895); den Charakter der Harnkrankheiten studiertein eingehender Weise Robert Ultzmann (1842 — 1888). Bam-bergers verwaisten Lehrstuhl uahm Otto Kahler ein (1849 —1895). Seine Laufbahn wurde jäh und frühzeitig unterbrochen,trotzdem hat er eine Reihe interessanter Arbeiten hinterlassen, diezum großen Teile das Centralnervensystem betreffen (Rücken-marksverletzungen, Tabes, aufsteigende Paralyse).
Skodas Erbe wurde Adalbert Duchek (1824—1882). EinJahr lang (1858) lehrte er „im Reiche" (Heidelberg ), lim bei derWiedererrichtung der Josefs-Akademie nach Wien berufen zu werden.
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