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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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ggg VIII. Innere Medizin nnd deren Hilfswissenschaften.

Seine Behandlung hielt die Mitte zwischen dem Nihilismus seinerZeit und der Polypragmasie. Er schrieb über dieKrankheitender Kreislaufs-, Atmungs-, Verdauungs-, Geschlechts-und Harnorgane (1862) und über den Skorbut. (1876).Der Wiener Schule gehört noch Antou Dräsche au, (geb. 1826),welcher seit einigen Jahren dieBibliothek der gesamtenmedizinischen Wissenschaften" herausgiebt. Zum Schlußwäre noch Ferd. Hebras (18161880) zu gedenken, der als derMeister der dermatologischen Forschung an anderer Stelle seineWürdigung gefunden hat.

Bevor wir zu der neuen Zeit übergehen, möge der Aderlaßbesprochen sein, welcher früher eifrigst gepflegt wurde, dann bisin das letzte Jahrzehnt absolut vergessen war.

Wohl kein Heilmittel hat solche Wandlungen durchgemacht,als der Aderlaß. Am Anfang des 19. Jahrhunderts herrschte eineso große Neigung, namentlich bei entzündlichen Krankheiten, sichdes Aderlasses zu bedienen, daß man in der Geschichte der Medizinvon einemBampyrismus" spricht, für den auch der NameHämatomanie" erfunden wurde. Besonders in den Jahren18111819, die durch einen g-snias Station arius intk-immatoriusausgezeichnet waren, trieb man die reinste Blutvergeudung. Eswar vorauszusehen, daß die Reaktion bald kommen mußte, uud sowarnte auch bald Hufe land, der sonst dem Aderlaß sehr gewogenwar, vor den Gefahren der Blutentziehungen, die er für dasgrößte, aber auch für das gefährlichste Heilmittel hielt. Es scheint,als ob die übermäßige Jnansprachuahme dieses Mittels von Frank-reich ausgegangen wäre, denn Broussais und Bouilland ordi-nierten denselben in der Mehrzahl der Fälle. Nachdem Harleß undWetzlar eklatante Beweise von der Gefährlichkeit der unmäßigenBlutentziehungen gegeben hatten, (die Manie war so verbreitet, daßein Chirurg, welcher bei einer Lungenentzündung keinen Aderlaß ge-macht hatte, auf ein Gutachten des Lehrers der inneren Medizinin Leipzig Clarus wegen Mordes verfolgt werden sollte), be-schränkte man sich darauf, nur dann zur Ader zu lassen, wennman bei fieberhaften Krankheiten die vorhandenen Entzündungenvermindern wollte, wenn Gründe vorhanden waren, welche eine