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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
Entstehung
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Aderlaszfreunde.

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überall, Jürgensen meint, daß die Begeisterung der jüngsten Zeitnur eine akademische und keine praktische sei und De Mulinleugnet jede Wirksamkeit.

Unter den allgemein anerkannten Indikationen sind zu nennen:die Gehirnblutung und zwar nur danu, wenn der an und für sichkräftige Patient die Anzeichen der Hyperämie bietet; man kämpftalso gegen die Hyperämie nnd nicht gegen die Gehirnblntnng.Ferner wird die Gehirnentzündung genannt, wenn sie rasch vor-wärts schreitet und bei hohem Fieber kräftiger Puls vorhanden ist.Wenn kräftige Kranke bei nicht geschwächter Herzkraft die Symptomedes akuten Lungenödems zeigeu, ist der Aderlaß am Platze, wo-gegen er zu verwerfen ist, wenn die Herzkraft gesunken ist undeine chronische Nierenentzündung konstatiert wurde. Die eigentlicheDomäne des Aderlasses ist immer noch die croupöse Lungenent-zündnng, namentlich, wenn die Beschwerden stark sind und dieUntersuchung auf eine starke Blutüberfüllung der uoch nicht ent-zündeten Partien der Lunge schließen läßt. Also mit kurzenWorten, man läßt dann zur Ader, weuu irgendwo eine Hyperämiebedrohliche Erscheinungen ausgelöst hat und gleichzeitig eine nahezunormale Herzthätigkeit gegeben ist. Zu bemerken ist noch, daßman heutzutage sich mit kleinen Aderlässen begnügt, der Vampyris-mus vergangener Jahrzehnte ist völlig verlassen worden.

In allerjüngster Zeit haben sich noch v. Noorden, Jacksch,Eversbusch und Klug mit dem Aderlaß beschäftigt, v. Noordeuhält ihn sür eiue wesentliche, aber nicht ungefährliche Bereicherungder Therapie der Bleichsucht, Eversbusch sah gute Resultate beiVeränderung des Sehorganes nach Nierenkrankheiten, Jacksch ließsogar bei der Pernicivsen Anämie zur Ader und Klug beschreibtdrei Fälle, iu denen es sich um akute hochgradige Entzündungender Lunge, des Rippenfells und der Regenbogenhaut gehandelt hat.Bezüglich der Blutarmut hat mau sich dahin geeinigt, den Aderlaßbei mittelkräftigen Personen in vierwöchentlichen, bei schwachen inachtwöchentlichen Pausen zu macheu, uie mehr als 1 Zr Blut auf^2 Kilo Körpergewicht zu entziehen und dabei auch die Diät, wiedie ganze Lebensweise zu regelu. Man hat schon angefangen, durchKontrollkuren zu uuterscheideu, ob Aderlaß oder Eisen bei der