Z99 VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.
Bleichsucht besser wirkt, aber die angestellten Versuche kranken andem Fehler, daß das Beobachtungsmaterial zu gering ist, ein Vor-wurs, der dem Hamburger Arzte Schmidt nicht erspart bleibenkann. Wie es scheint, hat die Aderlaßtherapie eine Zukunft; nachlanger und absoluter Vergessenheit an das Tageslicht gezogen, istsie nunmehr so modifiziert worden, daß die Gefahreu dieser Behand-lungsart geringe geworden find und es ist sicher, daß der ablehnendeZtandpunkt unserer Bäter historisch wohl, aber praktisch nichtberechtigt war. —
Gehen wir nun zu derjenigen Krankheit über, welche durchdie Forschungen Kochs in den Vordergrund des Interesses ge-stellt wurden — zur Tuberkulose. Daß sich Kochs Geuiegerade mit dieser Volkskrankheit befaßte, die so unendlich vielUnglück über die Menschen bringt uud so viele Existenzen früh-zeitig vernichtet, kann nicht hoch genug geschützt werden. AmAnfang des 19. Jahrhunderts war der Kampf gegen die Volks-krankheit ein recht energieloser, man hatte ja auch viel zu wenigKenntnis von den pathologischen Verhältnissen und war auch inder Abwehr dadurch beengt, daß man fast allgemein annahm, eshandle sich um eine Hereditüre Krankheit, gegen die man eben nichtsausrichten könne; nur vereinzelte Stimmen wurden lant, welchevon einer Übertragbarkeit sprachen. Da man bei den Sektionennicht nur die Zerstörungen in der Lnnge fand, sondern auch kon-statierte, daß diese Veränderungen mit dem übereinstimmten, wasman bei den Verkäsungen der skrophulösen Lymphdrüsen beobachtete,so kann es nicht wunder nehmen, daß man beide Krankheitenidentifizierte und die von der Skrophulose her bekannten Heilmittelauf die Tuberkulose übertrug, was therapeutisch gar nicht schlechtüberlegt war. Die Zerstörungen des Lungengewebes, wie sie dieschon am Anfange des Jahrhunderts zahlreicher werdenden patho-logischen Untersmhnngen in vorgeschrittenen Fällen zeigten, mußtendie Hand des Heilbeflissenen lähmen, denn es war ganz logischgedacht, daß man solche Verheerungen für irreparabel haltenmußte. Freilich waren auf der anderen Seite nicht gar so seltenAnhaltspunkte gegeben, daß es geheilte Phthisen doch giebt, denndie Obduktionen wiesen Schrumpfungen und verkalkte Lungen-