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Geschichte der organischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert : Medizin und deren Hilfswissenschaften, Zoologie und Botanik / von Franz Carl Müller
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Tuberkulosebekämpfung,

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Partien nach, welche auf eine abgelaufene Tuberkulose schließenließen.

Eine Besserung in der Diagnostik sowohl, wie in der Therapiewurde angebahnt durch die Popularisierung der Auenbruggerschennnd Laennecschen Methoden uud als erst diese Gemeingut derÄrztewelt geworden waren, konnte man einen Überblick über dieAusdehnung der Zerstörung und über deren Charakter erhalten,der prognostisch zu verwerten war. Da man den Tuberkel ent-gegen der Meinung Laennecs, der in demselben eine Neubildungsah, als einen EntzündnngSprozeß auffaßte (Birchow, Rein-hardt), so wandte man cntzündnngswidrige Mittel (Aderlaß,Fontanellen :c.) an und als man die Wirkung des Jodes aus dieDrüsen entdeckt hatte, wurde auch dieses therapeutisch verwertet.Ebenso gebrauchte mau deu Leberthran (seit 1824), der den Kräfte-znstand heben sollte, man beschränkte das Fieber durch Chiuiu, denHusten durch Opium und nur wenige, unter diesen in erster ReiheJames Clark (1835) einpfählen neben guter Nahrung Luft, Lichtund Sonnenwärme. Als 1872 Ludwig vou Buhl (18161880)in seiner MonographieLungenentzündung, Tuberkuloseund Schwindsucht" die Ansicht ausgesprochen hatte, daß es sichbei der Tuberkulose um eine Resorptions- und Infektionskrankheithandelt, kam man der Wahrheit immer näher, daß von einer ört-lichen, specifischen Erkrankung aus der Organismus vergiftet wird,eine Lehre, die zehn Jahre vorher Jean A. Villem in (18271892)durch sein in der Geschichte der Medizin unvergeßliches Werk:Dutuliei eule au xoinl cls vus cls son sieAS 6s son svolukionet äs S8. naturs" angebahnt hatte. Noch weiterer zehn Jahreintensivster Arbeit zahlreicher Forscher bedürfte es, bis 1882 Kochseine berühmte Entdeckung des Tuberkelbacillns der medizinischenWelt unterbreitete.

Sobald man einmal dahin gelangt war, die Tuberkulose alseine von bestimmten Herden ausgehende Krankheit aufzufassen,mußte man bestrebt sein, solche Stellen, soweit sie dem Messer zu-gänglich wareu (also verkäste Lymphdrüsen, tuberkulöse Gelenk- und>Niwchenkraukheiten) chirurgisch zu eutfernen, wobei die antiseptischeWundbehandlung wesentliche Dienste leistete. Man wagte sich unter