Zgg VIII. Innere Medizin und deren Hilfswissenschaften.
er in vielen Dingen eigenartige, nicht immer zn billigende Ansichtenhatte; erst als es ihm gelungen war, eine junge, von den erstenAutoritäten aufgegebene Dame in Wiesbaden zu heilen und alsanläßlich dieses günstigen Resultates eine Danksagungsschrift inder Gartenlaube erschien, wurde die ärztliche Welt auf den alteuKämpen aufmerksam. Im Jahre 1890/91 stellten sich 3 Ärzteauf seine Seite: Wilhelmi in Güstrow, Scholz in Bremen undSchubert iu Wiesbaden . Sie hatten einen schweren Standpunkt,deun allenthalben herrschte unter den Ärzten die Meinung, daszman mit dem Blute dem Körper auch Kraft und Widerstands-fähigkeit entzieht. „Je höher man das Blut als den Träger desLebens, der Kraft schätzen gelernt hat, um so mehr wird man eszu erhalten suchen, um so mehr wird man ihn: durch kräftige Er-nährung Ersatz für die erlittenen Verluste zuführen, um so wenigerwird man versucht sein, dnrch Verminderung seiner Menge denKörper widerstandsloser zu machen und ihm den Sieg zu erschwere:?."In diesem Satze liegt die Anschauung der modernen Medizin. —Wenn es trotzdem den genannten Ärzten gelungen ist, wenn Dyesnach seiner eigenen Aussage erst sein Haar ergrauen sehen mußte,bis einzelne dieser Siechen (Blutarmen) ihm Vertrauen schenktenund wenigstens Blutegel gestatteten, so ist dies darauf zurückzu-führen, daß einer geschlossenen Phalanx von überzeugten Aderlaß-gegnern Nur wenige Ärzte gegenüber standen, deren Führer durchverschiedene absurde Behauptungen und durch seinen nicht ganzverborgenen Widerwillen gegen die Schulmedizin etwas auffälliggeworden war.
Deutschlands Verhalten in der Aderlaßfrage beeinflußte auchdie Nachbarländer; so erzählt der Moskauer Professor Saccharjinin einem 1889 gehaltenen Vortrage, daß zu seiner Studentenzeitdie Broussaissche Lehre in Rußland noch nicht vergessen war,was später vollständig eintrat; ebenso war es in Frankreich undOsterreich, wie in England . Saccharjin selbst war dem Aderlässetreu geblieben. Ganz allmählich sickerten die guten Erfolge Dyes'durch und so beschäftigten sich in Deutschland Liebermeister,Struempell, Eichhorst, in England Fenwick, in Frankreich Hayem mit der Frage. Der Belgier Crocq empfiehlt den Aderlaß