556 -X- Geistes- und Nervenkrankheiten und gerichtliche Medizin.
Notzing, der wesentliche Besserungen durch hypnotische Behand-lung gesehen hat, besonders Casper und Moll mit der Erkennungder Krankheit beschäftigt haben. Vor allem aber hat K r a f f t - Eb i n gein Bnch geschrieben (?syenoxating, ssxrmlis), welches in zahlreichenAuflagen erschienen ist und jedes Jahr an Umfang gewinnt. Esist die Verbreitung des Buches nicht auf ein abnormes Interesseder Ärztewelt zurückzuführen, sondern mehr auf die Neugierde derLaien, für welche ein solches Buch eine verbotene Frucht sein sollte.Dies hat auch Krafft-Ebing eingesehen, indem er die anstößigstenStellen in lateinischer Sprache widergegeben hat, die aber leiderauch von vielen Nichtmedizinern verstanden wird. So ekelhaft dieVerirrungen auf diesem Gebiete sind, so sehr muß der Irrenarztbestrebt sein, das was geisteskrank an den Verfehlungen ist, insrechte Licht zu stellen. Es verdient darum Anerkennung, daß sichKrasft-Ebing Mühe gegeben hat, die wirklichen Träger der kon-trären Sexualempfindung durch eine Änderung des § 175 desDeutschen Rcichsstrasgesetzbuches uuter psychiatrischen Schutz zustellen.
Kaum einer hat so viel für diejenigen Geisteskranken gethan,die mit dem Strafgesetzbuch iu Konflikt geraten, wie Krafft-Ebing ,welchem wir das epochemachende „Lehrbuch der gerichtlichenPsychopathvlogie" verdanken. Die Forschungsresultate derPsychiatrie haben in fast allen Ländern auf die Gesetzgebung undauf die Rechtsprechung modifizierend eingewirkt nnd da, wo diesnicht der Fall war, wie in England , wird die Kluft zwischen derRechtsprechung und der vorwärtsgeschrittenen Wissenschaft täglichgrößer und kommt auch dem Laien immer mehr zum Bewußtseiu.Aber auch die Psychologie eines Wuudt, Drobisch, Waitz undvieler anderer hat fruchtbringend gewirkt, so daß in nicht gar znferner Zeit die schwierigen Fragen, welche noch auf diesem Ge-biete der Beantwortung harren, wohl gelöst sein werden. Wie sichKrafft-Ebiug die Zukunft denkt und mit welchen Aussichten diegerichtliche Psychopathvlogie des geschiedenen Jahrhunderts abschließt,das geht aus folgenden schönen Worten hervor: „Als in nicht zuserner Zeit anzuhoffende Fortschritte unserer Wissenschaft sind dieKlärung gewisser Zustände, die sich äußerlich wie bloße moralische