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1848 bis 1871: Die Reaktion der fünfziger Jahre.
Der Aufschwung der Naturwissenschaften.
Kein Hüsung fällt noch in die fünfziger Jahre und isterfüllt von der Stimmung oder Verstimmung und Verbitterung der-selbe!?. Das könnte mit einem Schlag hinüberführen zn dein Philo-sophen, der eben damals anfing, sich einer verstimmten und ver-bitterten Zeit zn empfehlen — zu Schopenhauer . Allein wie dasso kam, daß der lange unbeachtet gebliebene jetzt mit einemmalin Mode kam, das hat seine Geschichte nnd setzt vieles anderevoraus.
Die Philosophie war bankrott geworden — durch den Zu-sammcnbruch der Hegelschen Schule uud das Fiasko Schelliugs inBerlin; Fenerbachs Borlesnngen in Heidelberg im Winter 1848ans 49, in denen er die Welt für „eine Republik " erklärte, die „wedercineu absoluteil noch einen konstitutionellen Gott ertrage", hattender Reaktivn alle Philosophie verdächtig gemacht. Und 1848 hattesich auch die Geschichte kompromittiert. Historiker wie Dahlmannhatten in Frankfurt das große Wort geführt und mit ihren Prak-tisch-Politischen Leistungen so wenig Erfolg gehabt. Das deutscheVolk mußte erst wieder etwas Großes erleben, ehe es sich sürhistorische Darstellungen interessierte. Ranke, der die Geschichte undden Staat „von oben her" betrachtete und dabei immer vornehmernnd abstrakter wurde, blieb davou natürlich unberührt, doch warseine Wirkung darum ganz groß nur bei Königen, Fürsten undbei Historikern, die von ihm zu lernen hatten. Dagegen las manMacaulays englische Geschichte in allen den Kreisen gerne, die andem whigistischeu Standpunkt dieses Historikers keinen Anstoßnahmen oder sich im Gegensatz zu der Misere der eigenen reaktionärenWelt uud Zeit daran erfreuten. Von Deutschen aber war es nurTheodor Mommseu, dessen römische Geschichte in den fünfzigerJahren weithin gebührendes Aufsehen machte. Die Schilderung, wieaus der Revolution ein Cäsar herauswuchs, schien den Menschenjener Tage wie ein Stück lebendiger Gegenwart, da sie, klein wieder Maßstab dieser Zeit war, in Napoleon III. einen Cäsar ver-muteten; daß dieser dem genialen Cäsarbilde Mommsens so menigglich, wie seinem Onkel, dem großen Napoleon, das hat sich