Print 
Die geistigen und socialen Strömungen des neunzehnten Jahrhunderts / von Theobald Ziegler
Place and Date of Creation
Page
585
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

Der Anarchismus.

585

selbst kmmte er freilich nicht auskommen; Most nnd Hasselmann,obgleich selbst Deutsche , haben in ihrer Heimat am wenigsten An-hänger gesunden, und die Socialdemokratie, aus deren Schoß sieallerdings hervorgegangen waren, hat sie sofort, als sie sich offenals Anarchisten bekannten, aus ihren Reihen ausgeschlossen, Bebelist ans allen internationalen Kongressen, wo sich der Anarchismuseindrängen wollte, demselben anss schärfste und unzweideutigsteentgegengetreten. In Deutschland verurteilt die festgefügte Social-demokratie deu Anarchismus zur absoluten Bedeutungslosigkeit;wenn gelegentlich in Berlin Anarchisten eine Versammlung halte»,fo hat das keine Bedeutung. Juteruatioualeu Abmachungen zurBekämpfung und Ausrottung dieser Propagandisten der That brauchtsich Deutschland darum doch nicht zn entziehen; nützlicher als siewerdeu freilich Maßregeln znr Gesundung der Verhältnisse in allenden Ländern sein, wo diese Sumpfpflanze gedeiht.

Dagegen fehlt es gerade unter den Deutschen mit ihrem starkausgeprägten Siuu für alle Eigenart und für das Recht der eigeueuMeiuuug um jeden Preis nicht an theoretischen Anarchisten. Derzum Deutschen gewordene John Henry Mackay als Anhänger Stirners ist schon genannt. Ein seltsamer Schwärmer anderer Art ist Morizvon Egidy. Er spricht gelegentlich ganz wie ein Anarchist, nurdaß er den Namen nicht schön findet:der größte Fehler amAnarchismus ist, gegenüber dem Gegner, den er zu überwindeuhat, sein Name. Das geschieht den Vertretern dieser Jdeeuaber eigentlich ganz recht; warum muß denn alles genannt werde«,und warum müssen gerade Namen gesucht werdeu, die das Be-stehende vernichten, statt Namen zu wählen, die den höchsten Gradder schon anerkannten Werte andeuten?" Warum ,ohne Herrschaft',warum nicht lieber ,Selbstzucht', Selbstbeherrschung'? Zucht undHerrschaft sind Werte, ohne die wir uns ein menschliches Dasein garnicht vorstellen können. Es kommt eben nur daraus an, wer dieHerrschaft über uns ausübt uud wer die Zuchtrute über uns schwingt,ob andere oder wir selber." Ausdrücklich erklärt er sich im Gegensatzzu den Blut-Anarchisten für einenEdel-Anarchisteu". Wie so vielesist übrigens auch diese Unterscheidung nur ein Zeichen für die unent-wirrbare Konfusion dieses Verknndigers eineseinigen Christen-