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Nach 1871: äs sidoto«.
tums", der im Handumdrehen die Religion nnd die Erziehungreformiert nnd Socialist und Anarchist, Anarchist und Monarchistzugleich sein will, über alles aber doch ein mutiger und ehrenwerterMann ist. Auch mit der Gesellschaft für ethische Kultur steht er imZusammenhang, in der sich ja auch unklar allerlei zusammenfindet,darunter anch anarchistische Tendenzen. Wenn er aber die Selb-ständigkeit nnd llnabhüngigkeit in seinem „einigen Christentum" be-sonders betont, so berührt er sich darin mit den Anschauungen einesso scharfen Denkers wie Christoph Schrempf , der mit allem Nach-druck deu Kampf um die Persönlichkeit kämpft und dadurch zurVerwerfung der Kirche, also zu eiuem religiösem Anarchismus geführtwird; eben deswegen glaubt er sich auch auf politischem Gebiet deuKonsequenzen eiues den Staat negierenden theoretischen Anarchismusnicht ganz entziehen zu können.
Friedrich Nietzsche.
Uusere Jugeud aber, soweit sie anarchistisch denkt, steht darinvor allem unter dem Einfluß von Friedrich Nietzsche, diesem Wort-führer des Individualismus am Ausgang des neunzehuten Jahr-hunderts.
Wie iu der Renaissance das Individuum sich frei macht vonmittelalterlicher Gebnndeuheit aus allen Gebieten des Lebens nndsich in Selbstmacht uud Selbstgcwißheit auf eigene Füße stellt, sowendet sich Nietzsche, im Gegensatz zu Stirner eine vornehmaristokratische, fein veranlagte, nervös-reizbare, schönheitStrnnteneNatnr, gegen die Massen und ihre Instinkte. Er hat den Mutganz er zu sein und fordert von der Welt für sich das Recht, sichganz ausleben zu dürfen. Aber obgleich klassischer Philologe uudgriecheubegeistert, obgleich mit Bewußtsein zurückgreifend auf dieRenaisfauccstimmuug und den von ihr erfüllten uc>inc> sinAolare,ist er doch — ausgegangen von Schopenhauer und Wagner —zugleich durch uud durch moderu-romantisch. Neben dem apollinischKlaren findet er schon im Griechentum den dunkel-dnstercn Hinter-gruud des Dionysischen, dementsprechend wird sein Individualis-mus vielmehr zum Kultus des Geuies, iu dem allein der Willezum Leben zum gewaltigen Willen znr Macht heranwächst. Dabei