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Die geistigen und socialen Strömungen des neunzehnten Jahrhunderts / von Theobald Ziegler
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Andere Vertreter des Individualismus.

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gegen den Strom. In der äußeren Politik erinnert sein Eintretenfür eineorganische" Verbindung mit Österreich und für die Er-werbung eines erheblichen Kolonielandcs im Osten Europas oderin Vorderasien an die Phantasien von Karl Jentsch . Im Innernverlangt er Befreiung vou dem unwürdigen Possenspiel unsererWahlen und unserer Volksvertretungen nnd einen Kaiser, der wirklichKaiser ist; für die Kirche Organisierung der nicht-katholischen Religiösenzu vier deutsch -österreichischen freien Kircheu und eine Theologie,die wirklich Pfadfinderin der deutschen Religion sei; und endlich eineNeugestaltung des Unterrichtswesens in dem Sinn, daß Gymnasienund Universitäten zu Anstalten werden, an denen ernstlich unterrichtetwird und unterrichtet werden kann. Und dabei wendet er sich baldgegen Liberale nnd Juden, bald gegen die Stubengelehrten und ihrenVerschwörungsapparat", die Presse, oder gegen unsere Verwaltungs-beamten,welche als Studenten statt der Hörsäle Kneipen undFechtböden besuchten und allerhand unserm Anschauungen wider-lichen Sport betrieben, darnach sich von irgend einem ost wenigempfehlenswerten Zubläser für ihr Examen dressieren ließen, undschließlich durch ihre Familienverlundungeu an Plätze gebrachtwurden, auf denen sie sich nur durch die versteckte Hilfe der vonihnen verachteten Rotüre zu halten im stände sind". So weister überall ans Schäden in unserem Volksleben hin, Nur stehennach ihm vor dem. Bankerott, das geistige Kapital ist nahezu auf-gebraucht; dagegen kann nur ciues helfen, auf allen GebietenErnft zu machen" und als Einzelner sich sür die Existenz, das Glück,die Zukunft des Ganzen in jedem Augenblick seines Lebens ver-antwortlich zn erachten.

Hierher gehört endlich auch Christoph Schrempf , der vonKierkegaard ausgegangen ist und an diesem wie eben gesagt vorallem denEgoismus" groß fiudet. Als Pfarrer leidet er Schiff-bruch daran, daß ihm, ganz im Gegensatz zu einer früher citiertenÄußerung von Strauß, nichts an der Gemeinde, alles nur au seinereigenen sittlichen Persönlichkeit gelegen ist. Diese aber findet erdurch das Amt und das kirchliche Bekenntnis und die damit ver-knüpfte UnWahrhaftigkeit gefährdet;das Opfer der Persönlichkeitzu bringen dafür giebt es niemals einen zureichenden Grund";