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1830—1840,
sonst nicht zukam; den specifischen „Frauenroman" hat für Deutsch-land doch erst Fauny Lewald geschaffen.
Es ist endlich nochmals an Georg Büchner (1813—1837) zuerinnern, der von einen: anderen Boden aus dem Jungen Deutsch-land entgegenkam: es war kein Zufall, daß er sich für die Ver-öffentlichung von „Dautons Tod" gerade an Gutzkow wandte —das einzige Talent, das Gutzkow auf seiner an kritischen Totschlägenreichen Laufbahn erfolgreich aus der Taufe gehoben hat. Die Art,wie auch ihm die Tendenz zur Muse wird, die herausfordernde Be-tonung des Materiellen, die Vertiefung in psychologische Entwick-lungsprozesse („Lenz") machen ihn zu der Brücke zwischen den„Giganten" von der Manier Grabbes und den neuen „Titanen"des Jungen Deutschland .
Gegen diese „Titauen" richtete sich aber die Polemik desanderen, konservativ gerichteten Seitentricbes des Jnngen Deutsch-land. Max Stirner und sein Kreis werden mit feindlicher Satircabgemalt in dein nicht talentlosen Roman „Moderne Titanen"(1850) Robert Gisekes (1827—1890). Positiver wirkte den„Freien" George Hesekiel (1819—1874) entgegen, ein strengerpreußischer Legitimist und überzeugter Protestant, der aber doch inseiner Lebenshaltung von den Dogmen des Jungen Deutschland beeinflußt blieb: sein Bedürfnis, großartig aufzutreten, ein „großesHans" auf Schulden aufzubauen, erwächst aus der gleichen Ge-dankenrichtnng, der die Helden in Gutzkows Romanen ihre sonder-bare Färbung verdanken. Und wenn er seine Bücher ohne Dis-position, ohne Feilen, ja ohne Korrektur hintereinanderweg amSchreibtisch hinwarf und das fertige Blatt mit dem Daumen aufden Boden knipste, wo seine Tochter Ludovica (1847—1889),später selbst eine produktive Fortsetzen» der väterlichen Thätigkeit,sie aufsammelte und ordnete, so wird man auch iu dieser gesuchtgenialen, nachlässigen Manier den aphoristischen Geist der Jung-deutscheu uicht verkennen. Seine historischen Romane nnd die „Ge-dichte eines Royalisten" (1841) sind verschollen; lebendig blieb seinhervorragendstes Werk, die beste Biographie Bismarcks: das „Buchvom Grafen Vismarck" (1868).— Der typische Repräsentant aberdieses polemischen Seitentriebs vom Jungen Deutschland ist Alexan-der Freiherr v. Ungern-Sternberg (1806—1868; als Schrift-steller nannte er sich nur A. v. Sternberg ), ein Esthländer, der sichin den Geist der preußischen Aristokratie mit jenem Fanatismus