308 1840—1850.
für uns, was die Stadtgründung des Theseus oder der Krieg derSieben um Theben für die Tragiker Athens waren; Friedrich derGroße ist unser Heraktes, Danton und Robespierre sind unsereAtriden, Napoleon ist der Ödipns unserer Tragödie. Das sindGegenstände, die in aller Bewußtsein leben, Gestalten die zugleichals historisch und als heroisch, übermenschlich empfunden werden; dassind Stoffe, an deren Poetischer Zurichtung das Volk und die Zeitvon dem ersten Augenblick gearbeitet haben. Hierher griffen mitgenialer Sicherheit die Dichter des „Götz" und des „Wallenstein"und des „Prinzen von Homburg" und des „Florian Geyer ".Typische Figuren aus diesen Zeiten werden uns Vertreter vonEpochen, die abgeschlossen sind, aber noch unser volles Interesseerwecken. Unser Anteil arbeitet dem Dichter vor, wie das unsererVäter und Großväter ihm durch Auswahl geeigneter Momente vor-gearbeitet hat. Die Hauptfiguren sind fast mythisch geworden, be-halten aber doch volle Menschlichkeit. — Will der Dichter dagegengroße zeitlose Probleme zur Anschauung bringen, so bietet sich ihmdie Möglichkeit, unbestimmtere, ferner verschwimmende Gestaltendes eigentlich mythischen Alters der Menschheit zu benutzen: GoethesPromethens, Kleists Penthesilea, Grillparzers Libussa, HebbelsKandanles haben so modernes Interesse bei aller Zeitlosigkeit ihrerExistenz.
Wählt man statt dessen für ein großes Drama unsere eigenealte Heldensage, so begiebt man sich aller Vorteile. Diese Gestaltensind uns als historisch bediugte verständlich; ihr mythischer Hinter-grund bleibt deni Publikum ein Gegenstand kühler Verwunderung.Beklagen mag man es, daß die Jlias in höherem Grade als dasNibelungenlied ein deutsches Volksepos geworden ist, und die Odysseemehr als die „Kudruu"; leugneu kann man es nicht. Die Wunderder olympischen Götter sind in unsere Anschaunng übergegangen,die der altgermanischen Götterwelt nicht. Sie erwecken jene Kurio-sität, die der schlimmste Feind lebendigen Anteils ist; all dieserFlammenzauber, diese Walküren, diese angewandte Mythologie wirdMm schädlichen Hauptzweck wie die ägyptische Staffage eines„historischen Romans". Und versucht nun gar der Dichter, wieWagner und Hebbel und Jordan es wollten, diese mythische,aber doch ganz eng national nnd historisch umgrenzte Welt mit'der modernen in innere Einheit zu bringen, so zeigt sich wiederdiese Welt dafür zu bestimmt gezeichnet. Prometheus und Libussa