Ltw Ludwig,
313
Monotonie des Städtchens geteilt. Vor allem stürzte er sich inleidenschaftliches Musikstudium, sobald er den Laden hatte verlassendürfen. Mit einem Freund lebte er weltverloren in seinem Garten-haus, musicierte, komponierte, sah den Eidechsen an der Mauer zuund kümmerte sich nicht allzuviel um den Vorwurf der Eisfelder,er scheine apart und wolle auch apart sein. Aber allmählich finger an zu ahnen, welche Gefahr in diesem süßen Lotophagentum lag.Es war schon zu spät; er hatte die Welt bereits verschlafen undhat nie einen völligen Anschluß au ihr waches, hastiges Lebeu er-reicht. Und schon damals gab die Einsamkeit, die man unbedachtso oft als höchstes Glück des Poeten preist, dem leidenschaftlichenLerner nur allzuviel Gelegenheit zu Grübelei uud Selbstquälerei,zum Schwanken zwischen Musik und Poesie. Ein Liebhabertheaterersetzte ihm nur vorübergehend die mangelnde Anregung. Ermußte in die Weite; wie es später den Meister thüringischerKleinepik immer zum welthistorischen Drama zog, so begehrte jetztdie doch mit allen Fasern an der engsten Heimar haftende Seelein größere Räume.
Die freundliche Gunst seines Landesherrn hat Ludwig so wenigwie Hebbel gefehlt. Mit einem Stipendium vom Herzog von Meiningen zieht er (1839) nach Leipzig , nm bei Mendelssohn Mnsik zn studieren.Es war ein verfehltes Experiment. Mit Mendelssohn vermochte ersich nicht zu verständigen, noch weniger zu Robert Schumanns neu aufgehender Sonne freudig aufzublicken. Schon Beethoven beurteilte er, wie die englischem Prarafaeliten Michelangelo beur-teilen: das titanische Ringen schien ihm eine dämonische Vernichtungder bis dahin herrschenden reinen Heiterkeit und Unschnld. Haydnwäre wohl sein Mann gewesen; für das gärende Streben einernenen Zeit hatte er kein Ohr. Vollends die Stadt entsetzte ihn.E. Th. A. Hoffmann hatte schon seine ersten Werke stark beein-flußt; jetzt sah er die ganze Stadt mit den Augen des romantischenSatirikers an: „die Leipziger Damen sehen alle so übernächtlichaus, nicht wie Geschöpfe der Natur, fondern wie Kunstfabrikate".Die Schriststellerwelt von Klein-Paris zerfiel in zwei Gruppen: alt-modische Unterhaltnngspoeten wie Nochlitz und Herloßsohn undjungdeutsche Pioniere wie Laube und Kühne samt ihren Nach-folgern, den politischen Lyrikern wie Mosen und Beck. Die ersteGruppe erschien ihm ledern und unfrisch, die andere nannte er„eine Tigergrube". Aus dieser Stimmung heraus entstand (1842 bis