g14 1840—I8S0.
1843) das satirische Märchen „von den drei Wünschen", indem eine Parodie der Leipziger Philisterhaftigkeit, getreulich derWeise Hoffmanns gehorchend, mit abenteuerlichen Träumen iuorientalischem Kostüm zusammengewebt ist. Er flüchtet sich wiederin die Einsamkeit nnd steigert von neuem durch übermäßiges Ar-beiten seine Nervosität. Er zieht sich (1840) durch sein beständigesStubenhocken schwere Brust- uud Unterlcibsbeschwerden zu. Bon1840—1842 ist er wieder zu Hanse, und schon beginnt die Mnsikentschiedener in den Hintergrund zu treten. Jene abenteuerlicheFigur des sogenannten „Duukelgrafen von Eishauscn", eiues fran-zösischen Adeligen, der in der Nähe von Eisfeld eine geheimnisvoll ver-schlossene Existenz gesührt hatte, hatte vielleicht schon Arnim zn einerpoetischen Modellierung gereizt und hat später Lndwig Bechsteiu zueinem Roman begeistert; sie lockte anch den jungen Eisfelder, der ihnin die Mitte einer breiten thüringischen Landschilderung stellen wollte.Der hohe schlanke Dichter „mit dem ovalen, regelmäßig gebildetenGesicht, mit hoher Stirn, edel geformter Nase, lebhaften braunenAugen" schritt dann behaglich in seinem einfachen Arbeitszimmereinher, das nicht nnter 18° k. haben durfte, in weit hinaufreichendenTroddelsocken und Schlafrock, am Mund die lauge Tabakspfeife, ihm,wie Rückert und Chamisso, der unentbehrliche Gesellschafter. „Wollteer schreiben, so strich er die über die Schläfe herabfallenden reichenHaare zurück, knüpfte sich einen Bindfaden um Stirn und Hiuter-kopf, legte sich Papier zurecht und schrieb ohne Unterbrechung ganzeBogenseiten voll." Abends holte er dann aus dem Gasthaus zweiKrüge voll Bier, las Shakespeare und Goethe und saß dannstundenlang in lautlosem Träumen. Das war freilich kein Mann,der in der Epoche der Gutzkowschen Vielgeschäftigkeit, der HebbelschenSicherheit, der Wagnerschen Energie Glück machen konnte! Daswar ein verspäteter Zeitgenosse der patriarchalischen Dichterzeit,Rückerts, Uhlands, Chamissos , im Leben (um einen köstlichen Aus-druck Riehls anzuwenden) ein „göttlicher Philister", nicht aber, wasdie Zeit begehrte, ein herrischer Kommandeur der Poesie.
In dieser ganzen Lebenshaltung ändert eine Rückkehr nachLeipzig (1842) und eine Übersiedelung nach Dresden (1843) nichts,so bedeutend auch damals in Elbflorenz das Theater unter EmilDevrient, die Oper unter Richard Wagner blühte. Im Gegenteil —seine Sehnsucht nach Einsamkeit wurde nur gesteigert, und bald(1844) zog er in ein entlegenes romantisches Thal unweit von