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1840-1850,
Denn die reine Offenheit, das ehrliche Bekenntnis, der Zauber einerkraftvollen Persönlichkeit ist doch stärker. Und so dienen all dieseseltsamen „spinnenden" und „schnaufenden" Originale mit ihrenstehenden Redensarten uud unvermeidlichen Gesten nur als Folie,von der sich die echte Menschlichkeit der Hauvtsigureu abhebt. Wirgebeu es zu — auch im Roman droht das Schlinggewächs derkleinen Züge Handlung und Hauptgestalten zuweilen zu überspinnen.Ein wenig hätte das üppige Nankengewächs schon beschnitten werdenmögen. Aber erinnert etwa die Rede, die dem trefflichen Fritz seinewohlmeinende Großmutter hält, nicht an Gottfried Kellers alles le-bendig machenden Humor: „Aber was kaun ein junger Bursch miteinem alten Fräle reden? Siehste, das ist, als wenn ein Franzosund ein Pariser miteinander wollten reden. Da redt der ein fran-zösisch und der andere pariserisch, und Hernachen weiß keiner, wasder ander eigentlich hat gewollt." Das ist solches „närrischesZeug" — das gut thüringische Lobwort „närrisch" gehörte zuLudwigs Lieblingen —, über das er beim Erfinden selbst lachenmußte, das aber auch dem Leser ein behagliches Verweilen abnötigt;mit hastender Eile freilich soll man Ludwig nicht lesen. — Auchdas „Widerspiel" ist reich an ergötzlichen Einzelheiten, und besondersist anzuerkennen, wie wenig die Anlage als Pendant beengend uudzwängend aus die Handlung gewirkt hat.
Die gleichen Eigenheiten weisen auch die ausgeführten Dramenauf. Da ist ein kleines Lustspiel „Hauns Frei" (1842—1843);eine Dramatisierung von Bürgers Ballade „Des Pfarrers Tochtervon Taubenhain" folgte („Die Pfarrrose" 1845); ein Jntrignen-stück mit einem edken Polen („Die Rechte des Herzens" 1844—1845); als Vorspiel zu einem groß angelegten „Friedrich II." einkräftiges kleines Seitenstück zn „Wallensteins Lager" („Die Tor-gauer Heide" 1844). Charakteristisch für all diese Stücke ist einerasch und energisch vorschreitende Handlung, die doch über diemangelhafte psychologische Begründung nicht täuschen kann. Intrigueund Voreiligkeit führen das Polenstllck und die „Psarrrose" zu einemleicht zu vermeidenden Ende, während im „Fräulein von Scudery"(1848, nach E. Th. A. Hosfmanns Meisterwerk) der König alscleus sx ninellina. den Knoten durchhauen muß. Übrigens hat indies Drama Ludwig (wie vor ihm Hoffmann selbst) etwas vonseiner fast abgöttischen Verehrung der Kunst gelegt, und ganz ausder Seele sind ihm Cardillacs Worte gesprochen: