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Die deutsche Litteratur neunzehnten Jahrhunderts / Richard Moritz Meyer
Entstehung
Seite
329
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Die Mnkknbäcr", 329

Kaufmanns, als symbolisches Kampsobjekt der Wald, ein Stücksreicr Natur, an dessen Einfangen zu persönlichem Besitz das Bolk(nach Jacob Grimms Zeugnis) sich nie ganz hat gewöhnen können.Alles konnte sich in großartigem Zuge abspielen, wie in Kleists Michael Kohlhaas ", mit dessen Helden man den Erbsörster oftverglichen hat. Da kamen dem Dichter Bedenken, er wollte dieStimmung in dasFurchtbar-Erhabene" steigern, wollte einenSchluß, der den Zuschauer (fast wie in Ibsens ,Wildente") inUngewißheit läßt, ob Marie als Opfer des Zufalls oder der eigenenAbsicht falle und betrog sich gerade dadurch um die höchsteWirkung. So glänzend einzelne Gesprächsstücke, so vortrefflich dieZeichnung des alten Buchhalters ist im ganzen muß man dasTrauerspiel doch in jene in unserer Litteratur nur zu lange Reihevon Dramen stellen, in denen eine prachtvolle, rund und lebendigdastehende Hauptfigur eine mißlungene Handlung decken mußkeine unrühmliche Gesellschaft immerhin, denn in diese Reihe gehörtKabale und Liebe" so gut wieCollege Cramptou ".

Starke Einwirkung des zunehmenden Studiums zeigt schondas nächste Werk, das letzte Drama, das Ludwig vollendete:DieMakkabüer" (1851 1852). Liebende Kenner Ludwigs, wieAdolf Stern und August Sauer , feiern es als sein unvergänglichstesMeisterwerk. Ich fürchte, die Zukunft wird ihnen nicht ganz rechtgeben. Auch dies Werk ward nicht, was es werden konnte. Wirk-same Motive schießen in der üppigen Saat der wechselnden Ent-würfe reich auf, nehmen eins dem anderen Luft und Boden, er-sticken sich. Schließlich ist nicht eins zur vollen Entfaltung gelangt.Mächtig war die Hauptfigur erschaut, der große und in seinerGröße so schlichte Jndah, der den Löwen wie einen Hund erwürgtund (wie Gottfried von Bouillon ) nicht König sein will, nurDiener des Herrn. Aber ihm gelingt es doch nicht, den verblen-deten Fanatismus zu besiegen, mit dem das Volk am Sabbath sichabschlachten läßt; und schließlich ist nicht er der Sieger, sonderndie stolze Mutter, Lea, das riesige Weib, das den Himmel nieder-betet. Ganz gegen Ludwigs Absicht ist am Ende der Stolz, jader Hochmut siegreich und vermag, was Judahs edler Demut nichtgelaug. Die wilde Großartigkeit Leas drückt auch auf die sanfteGüte Naemis, die nach einem älteren Entwurf fast an die ersteStelle treten sollte; so rührend auch ihre kindlich reine Freude beimAnblick Judahs spricht: