Ltto Ludwigs Shakcspcarestudicn.
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strengster Durchführung, hier die sorgfältige Nüaueierung des Grund-tons, der Scenenstimmungen, der Einzelreden. Aber eben darinsehe ich vor allem die Bedeutung der dramaturgischen StudienLudwigs. Deutlicher als ein anderer erkannte er, was nötig sei;damit das deutsche Drama aus dem Fahrwasser der Epigonen her-auskomme — frei von der hohlen Deklamation der Schillerianer,von den leblosen Tendenzpnppen der Jnngdeutschen, von der hölzer-nen Bretterwelt der „bühncngemäßen" Massenfabrikanten. Waser suchte, legte er iu Shakespeare . Freilich blieb auch das ihmuicht verborgen, was Lessing schon ausgesprochen hatte, daß einnationales Theater im großen Stil nationales Selbstgefühl, größereLebeusführung verlange.
Von seinen Lehren haben Wenige Vorteil gezogen. Als nachseinem Tode sein Frennd Heydrich die „Shakespearestudien" innicht mustergültiger, aber verdienstvoller Weise veröffentlichte, hörteman nur eins heraus: die Opposition gegen Schiller. Der „Realist"wurde von den „Idealisten" bekämpft, die oft freilich ungerechtenAngriffe des Shakespenreverehrers als ein Satrileg ausgelegt,während man ganz andere Angriffe gegen Goethe schmunzelnd er-tragen hatte. Was in Ludwigs Theorie vor allem wichtig undsrnchtbar war, kam nicht zur Geltung. Gustav Freytag hat vielenjüngeren Talenten als Führer gedient, Hermann Hettner hat aufIbsen wirken dürfen — ich wüßte nicht, wer als Schüler OttoLudwigs zn nennen wäre.
Ihm selbst aber zerstörte das Programm die Ausführung.Balzac schildert einmal (im „(Aisk ä'ozuvrö ineonrm") einen altenMaler, der ein wunderbares Gemälde durch endlose Übermalnng,ausgetüftelte Verbesserungen, kleine Effekte, Lichter zuletzt in einunverständliches Chaos verwandelt; nnr ein Fnß, mit wunderbarerKraft gemalt, sieht als Zeugnis der alten Begabung aus dem Netzder Skizzen hervor. So ging es Ludwig. Meisterhast hat ErichSchmidt den „Scherbenberg" seiner Entwürfe geschildert, diese vonimmer nenen Verbesserungen, Zweifeln, Änderungen, Verweisungenbis zum Rand bedeckten Blätter voller Zurufe au sich selbst:„schlank! geradlinig! konkreter! alles viel kürzer! kompakter! ein-sachst! gcdrängtest!" „Einem ,Also' tritt rasch ein Oder so?' ansdie Fersen, uud ein ,Gauz anders!- zerreißt im nächsten Heft, jaoft auf demselben Blatte den bisherigen pragmatischen Nexus."Er bildet sich seiue eigene Terminologie für die „Auslebe-, Puffer-,