332
1840—1850.
Zustands-, Handlungs-, Spielscenen"; er dentet Charaktere mitTierbildern an, zeichnet, analysiert, verwirft. Der sonst sich derÜberfülle der Gesichte kaum erwehren konnte, sucht jetzt jahrelangangestrengt nach einem passenden Stoff und gelangt dazu, wie seinAntipode Hebbel den der Mariamne, so seinerseits den der MariaStnart und Darnleys als den „einzigen, den allein noch nicht be-handelten tragischen Stoff" zu proklamieren. Er gab uns keine„Genoveva" als Gegenstück zu Hebbels , keinen „Falieri" als Pen-dant zu Byrons, keinen „Wallenstein " (1861—65 geplant) alsÜberbietung von Schillers Werk. „Was sind Hoffnungen, wassind Entwürfe!"
Nur ein Werk war dieser Periode noch gegönnt. Der prächtigeRoman „Zwischen Himmel und Erde" (1856) ist sein reifstesund wohl trotz „Erbförster" und „Makkabäern" sein größtes Werk.Es sind wieder Charaktere aus jener Sphäre, die ihm vertrautwar wie keine andere und wie keinem anderen: aus dem Klein-stadtleben Thüringens . Aber von diesem Boden erhebt sich hierein Konflikt von tragischer Größe. Die engbegrenzte „Respek-tabilität" des kleinstädtischen Patriziers bildet die Atmosphäre derganzen Handlung. Der alte Dachdeckermeister Nettenmaier istin dieser Luft alt und grau geworden, ein rastloser Arbeiter, eifer-süchtig auf seine Ehre, sein Ansehen, den Ruf seines Geschäfts. Er-blindet erträgt er es nicht, sein Ansehen verringert zu wissen; erwill immer noch als der Leiter des Geschäfts gelten, das in Wirk-lichkeit längst sein Sohn Apollonins führt. In den beiden Söhnenzeigen sich zwei Seiten seines Wesens. Apollonins erbt die strengeEhrensestigkeit, den moralischen Neinlichkeitsfanatismus, der aberin dem „Federchensucher" zur Hypochondrie ausartet; Fritz erbt dasgefährliche Spiel, tüchtig zu scheinen, wenn längst die Kraft ge-schwunden ist, „jovial" den guten Gesellschafter und lieben Kerl zukopieren, während seine Augen gut und böse, recht und unrechtlängst zu unterscheiden verlernt haben. Ihm ist Christiane zu-gesallen, die von Apollonins geliebt wird und seine Neigung erwidert.Fritz, der sein Ansehen, seine Beliebtheit, seine Stellung mehr undmehr weichen und von dem Bruder erobert sieht, klammert sich mitwilder Eifersucht an diesen letzten Besitz, den er vor ihm voraushat. Seiu Wutausbruch tötet das kranke Kind; sein aus Eifer-sucht und Neid erwachsender Haß würde den Brndcr töten,wenn diesen nicht im letzten Augeublick der Entschluß verzweifelter