350
1840-1850,
Schwaben dichten nnd finden Gönner; der seine war Angust Le-wald (1792—1871), ein vielbemühter, persönlich wohlwollenderPublizist, der das Glück hatte, sich mit der Stimmung feiner Zeitzu entwickeln, dem jungen Deutschland nahe zu stehen, als es mächtigwar, und rechtzeitig (1860) katholischer Konvertit zu werden. —Wie Freiligrath sich an Victor Hugo geübt hatte, so warf Herwegh sich (1339—40) auf eine Übersetzung des Alphonse de Lamartine (1790—1869), jenes glänzenden Rhetors, dessen „Geschichte derGirondius" (1847) nach Droysens Wort durch ihr falsches Pathosalle Redner von 1848 verdorben hat. Daneben recensierte er eifrig,freilich schon hier mehr Politiker als Verehrer der reinen Kunst,Vorfechter einer neuen demokratischen Litteratur, die von der Juli-revolutiou (1830) datieren sollte, und deren Ausgangspunkte fürDeutschland er in Börnes Reise nach Frankreich, Heines Reisebildernund der Opposition gegen Goethe sah. Ju Goethe befehdete er, wiedas kritische Orakel Stuttgarts, Wolfgang Menzel , das Haupt derrein ästhetischen Weltanschauung, der Schule des „l'ark x>c>ur 1'art/,die an den Bedürfnissen des Volkes kalt vorübergeht: wie er späterspöttisch dem Volke zurief:
Du hast ja den Schiller und Gvethe —
Schlafe, was willst du mehr?
Weil er aber ein wirkliches Talent war, verhalf ihm selbstdiese einseitige Stellung zu manchem treffenden Urteil; die Thaten-lust des angeblich nur „verträumten" Hölderlin , den warmherzigenLiberalismus des vermeintlichen „Aristokraten" Platen hatte erfast wieder zu entdecken. Zu beiden zog es ihn: die weiche, melo-dische Sehnsucht Hölderlins klingt aus den wenigen, aber sehrschönen Elegien Hcrweghs, den Gedichten, in denen er einerzarten Stimmung nachgab („Ich möchte hingehn wie das Abend-rot"); Platen mit seiner strengen Kunst hat ihn vor der bequemenSchloddrigkeit der Nachfolger Hoffmauns von Fallersleben und vorder prosaischen Härte Gntzkows oder Sallets bewahrt.
Konflikte mit der Regierung, aus seiner Abneigung gegen denMilitärdienst erwachsen, trieben ihn (1840) nach Zürich . Er wardder Sturmvogel, der die spätere Emigration der Richard Wagner undso vieler anderer ankündigte; andere Gesinnnngsgeuossen waren frei-lich fchon aus den Demagogenjahren her dort versammelt. Sie er-mutigten ihn zu einer Sammlung seiner Gedichte, und so erschieueu(1841) die „Gedichte eines Lebendigen", schon im Titel gegen