ggg 1840—1850.
gegolten hat. Statt dessen sncht man den Staatsmann nach den sach-gemäßen Forderungen seiner Kunst zu beurteilen, diese Kunst aber stetsnach dem Maßstabe menschlicher und ewiger Sitte zu messen. Die Ge-sinnung, welche hiermit bezeichnet ist, giebt wie dem Inhalte sogleich auchder Form ihr Gepräge; zum erstenmal in der deutschen Geschichtschreibungbeginnt sich ein fester, den verschiedensten Persönlichkeiten gemeinsamer, denmannigfaltigsten Stoffen passender historischer Stil zu bilden.
Schritt für Schritt näherte man sich dieser „reichen Zukunft".Vorläufer der neuen Epoche war Johann Gustav Droysen (1808—1884) aus Treptow, der letzte von Ranke wesentlich unab-hängige deutsche Historiker. Er war noch ganz aus deu Bildnngs-interessen der Zeit Niebuhrs und Dahlmanns hervorgegangen. SeineGeschichtsauffassung beruhte auf dem großen Grundsatz: „Die Ge-schichte hat sich nur mit dem Lebendigen zu befassen". Lebendig,fortwirkend war ihm die Poesie des Aristophanes , die er unver-gleichlich verdentscht hat; lebendig war ihm die Politik Alexandersdes Großen wie die preußische Politik. Nichts Menschliches wardiesen? umfassenden Geist fremd — wenn es ihm „lebendig" schien;lebendig aber wurde ihm die Geschichte durch die großartige Kon-tinuität der politischen Entwickelung. In diesem Sinne war schoner durchaus „politischer Historiker"; und wenn er anläßlich seinerBiographie Jorks (1851), eines der prächtigsten historischen Lese-werke, die wir besitzen, mit dem alten Kantianer v. Schoen, demliberalen ostpreußischen Oberpräsidenten und Gehilfen Steins, korre-spondierte, so fühlte der alte Herr in Droyseus starker Betonuugnationaler Elemente ganz richtig einen scharfen Gegensatz zu derbisherigen Behandlung der „Staatsgeschichte" heraus. Aber Droysen,obgleich auch als aktiver Politiker thätig, verwahrte sich doch nochgegen eine direkte Nutzanwendung der Geschichtschreibung, und wirhaben seinen Ärger über die politisch-rhetorische „Geschichte derGirondins" von Lamartine bereits erwähnt. — Rankes bedeutend-ster und ältester Schüler, Georg Waitz (1813—1886) aus Flens-burg, der große Meister der Verfassungsgeschichte, trat mit seinerBewertung des alten Kaisertums schon der eigentlichen „politischenGeschichte" einen Schritt näher: schon wurde direkt die Frage auf-geworfen und zwischen ihm und Sybel diskutiert, wie weit diealten politischen Ideale noch eine moderne Berechtigung hätten.Heinrich v. Sybel (1817—1896) aus Düsseldorf führte den Kampfgegen die romantische Auffassung des Kaisertums dann gegenJulius Fickcr (geb. 1826) in heftigem Schriftenwechsel durch