400 1840-I8S0.
merkt man (etwa bei Pix) eine zu sorgfältige Nachahmung derOriginale von Dickens mit ihren „vvllims", und auch die Genossen-schaft der Packer ist zu absichtlich ins Heroisch-Groteske gesteigert,welch eine Meisterfigur anch der alte Sturm selbst ist. Weitwird dagegen, wie man mit Recht bemerkt hat, der Engländervon dem Deutschen in Kunst nnd Sorgfalt der Komposition über-troffen; nur die Entwickelung der tugendhaften Sabine versagt.Meisterhaft sind die großen Bewegungsscenen des polnischen Auf-standes, die den Höhepunkt des Romanes bezeichnen; und mit an-spruchsloser Einfachheit dient das Gespräch überall der Handlungund hat die wichtigtuerische Unabhängigkeit der romantischen undjuugdeutschen Dialoge überwunden.
Die „Verlorene Handschrift" sollte dies große Gemälde dermehr praktischen Arbeit durch Vorführung der geistigen ergänzen,wobei natürlich dem Historiker und Philologen Altertumswissen-schaft uud Volksliederjagd gegebene Grundlagen waren. Aber eineinsichtiger Beurteiler, Mielke in seiner Geschichte des deutschen Ro-mans, hat treffend hervorgehoben, wie der Roman nnter zweisremden Einflüssen leidet. Es ist gewiß der Wirkung Auerbachszuzuschreiben, daß Freytng das Problem des Konflikts von Dorfund Stadt hineinbrachte. Der Gelehrte, dessen Berufskreis derbreiten Masse des Volkes am fernsten liegt, und die Tochter desGutsherrn sollen zum gegenseitigen Verständnis erzogen werden,wie in den „Journalisten " Liberale und Konservative; und alsMittel wird der gemeinsame Gegensatz der guten altdeutschen Soli-dität in beiden Kreisen gegen das gleißende Scheingold der kleinenHöfe gewählt. Dadurch aber gleitet die Geschichte von der breitenZustandsschilderung in „Soll und Haben" in die enge Gasse derIntrigue hinein, und die Schicksale, die dort typisch wirkten, er-halten hier ein kleinlich vereinzeltes Ansehen, ohne daß doch dieFiguren originell genug wären, um an sich durch ihre Einzelschick-sale zu interessieren. Diese Originalität, die nur Nebenfigurengeschenkt ist (und bei ihnen wieder nur mit dem gefährlichenMittel pathologisch - hunioristischer Sonderbarkeiten), wird nochweiter gefährdet durch den zweiten fremden Einfluß: den dergelehrten Studien Freytags. Er gewöhnt sich zu sehr, „nichtmehr unmittelbar Anteil an den Dingen zu nehmen, sonderngleichsam aus dem Medium der Geschichte heraus zu sprechen",wie Mielke sagt: